Ist er nicht toll?", schwärmt die junge Ärztin. Gerade hat sie ihre Praxis abbezahlt, jetzt will sie wissen, wie sie reich wird. Auch ihre Bekannte ist begeistert von dem smarten Geldtrainer im grauen Anzug mit Weste. "Einfach spitze, wie der das rüberbringt, so glaubhaft." Bodo Schäfer kommt an, vor allem bei Frauen.

Mit seiner cleveren Mischung aus Psychotricks und Geldtips hat der 38-Jährige eine Marktlücke entdeckt. Bis zu 300 Menschen, darunter viele Akademiker und Selbstständige, strömen zu seinem Eintagesseminar Der Weg zur finanziellen Freiheit. Kosten: 800 Mark. Auch sein gleichnamiges Buch mit dem Untertitel In sieben Jahren die erste Million avancierte schnell zum Bestseller. Denn einfache Erfolgsrezepte sind gefragt. Das Geschäft mit Motivationsshows, Power-Tagen und Erfolgsforen boomt; die Botschaft ist stets dieselbe: Jeder kann alles erreichen. Also auch die erste Million.

"Tragen Sie ständig einen Tausendmarkschein bei sich"

"Sie brauchen vor allem die richtige Einstellung zum Geld", lautet die erste Lektion des Mannes mit der selbst erfundenen Berufsbezeichnung Money-Coach. Doch leider sind wir alle falsch konditioniert. Geld gilt als schmutzig, verdirbt den Charakter. "Wenn Sie Geld positiv besetzen, dann ziehen Sie es automatisch an", sagt Bodo Schäfer. Er muss es wissen. Denn er ist Millionär und liebt das Geld. Er streichelt gern Goldbarren und nennt sogar seinen Hund Money. Wie bekommt man nun das richtige Gefühl zum Mammon? "Tragen Sie ständig einen Tausendmarkschein bei sich", rät Bodo Schäfer. "So lernen Sie, sich mit Geld wohlzufühlen." Wer Angst hat, den Tausender zu verlieren oder auszugeben, der traut sich nur selbst nicht über den Weg, und genau da setzt die zweite Lektion an: Wer reich werden will, braucht Persönlichkeit. Bodo Schäfer weiß, wovon er spricht. Mit 26 Jahren war er pleite, hatte über seine Verhältnisse gelebt. "Ich litt unter Magenproblemen, konnte nicht schlafen und grübelte, wie ich zu Geld kommen könnte", erzählt der Geldguru. Denn dann würden sich auch all seine Probleme auflösen, dachte er damals. "Das war Schwachsinn", sagt er heute. Denn ohne Persönlichkeit läuft nichts. So hätten 80 Prozent der Lottomillionäre in zwei Jahren ihr Geld verpulvert, 5 Prozent sogar Selbstmord begangen, eben weil ihre Persönlichkeit nicht mitgewachsen sei.

Also gibt es erst einmal Psychotips. "Essen Sie Obst, und verzichten Sie auf Fleisch", predigt der Vegetarier. "Dann brauchen Sie auch viel weniger Schlaf." Mehr als vier Stunden pro Nacht seien zu viel. Denn wer weniger schläft, hat mehr Zeit zum Lesen. Mindestens zwei Bücher pro Woche verordnet der Money-Coach den Möchtegernmillionären. "Wenn Sie das nicht schaffen, dann kaufen Sie sich ein Buch über Schnelllesen", sagt der bekennende Legastheniker. Dann könne man auch ein 300-seitiges Fachbuch in drei Stunden lesen.

Das Allerwichtigste für den Millionär in spe ist jedoch Selbstvertrauen, und davon haben wir alle viel zu wenig. Warum? Weil 85 Prozent aller Presseberichte negativ sind, sagt Bodo Schäfer. Doch bezahlt werde man immer nach seinem Selbstvertrauen. Nur wer an sich glaubt, macht Kohle. Natürlich gibt es auch dafür ein paar Tricks aus Bodos Wundertüte. "Schreiben Sie ein Erfolgs-Journal, und notieren Sie sich darin jeden Tag mindestens fünf Dinge, die Ihnen gut gelungen sind", rät er. Das müsse nichts Großes sein. Vielleicht hat man seinen Chef zum Lachen gebracht oder einer alten Dame die Tür aufgehalten. Wer das drei Monate lang macht, der verdiene garantiert 20 Prozent mehr, sagt Bodo Schäfer, auch wenn er Beamter sei. Und wer auf Nummer Sicher gehen will, der kauft am besten sein Erfolgs-Journal mit Golddruck und hochwertigem Einband. Das kostet nämlich nur 98 Mark und ist garantiert eine "Investition in Ihre Zukunft". Auch ein Traumalbum soll gute Dienste leisten. Da klebt man dann Bildchen zum Beispiel von seinem Traumhaus ein. "Das verwirklicht sich automatisch", sagt Schäfer. Aufpassen muss man bei seinem Umgang. Schließlich kann kein Mensch erfolgreich werden, wenn er ständig von Jammerlappen und Miesepetern heruntergezogen wird. "Entweder Sie vergessen Ihre Ziele oder Ihre Freunde", rät der Geldtrainer. Und dann gibt es noch die 72-Stunden-Regel. Alles, was wir uns vornehmen, müssen wir innerhalb von 72 Stunden in Angriff nehmen, sonst stehen die Chancen 99 : 1 gegen uns. Woher die Zahlen kommen? Bodo Schäfer weiß es auch nicht. Er jongliert gern mit Zahlen. Wer von seinem 18. bis zum 65. Lebensjahr eine Mark pro Tag spart und mit 12 Prozent anlegt, ist bereits Millionär. Wer jeden Monat 7500 Mark zu 15 Prozent anlegt, braucht dazu sogar nur 7 Jahre. Das beeindruckt. Auch US-Millionären hat der Geldguru auf die Finger geschaut. So gab nur jeder Zehnte mehr als 999 Dollar für seinen teuersten Anzug aus. Denn Millionäre sind geizig, und sie übernehmen immer die volle Verantwortung. "Schuld haben immer wir selbst", predigt Bodo Schäfer. Wenn die Gesundheitsreform manche Ärzte in die Existenznot treibt, dann müssten sie eben etwas aus der Situation machen. Wichtig sei es vor allem, nur das zu tun, was man mag. "Sie können es sich nicht leisten, auch nur einen Tag länger in einem Job zu bleiben, den Sie nicht lieben", mahnt Schäfer.

Wer schneller reich werden will, braucht einen Coach, lautet die dritte Lektion. Bodo Schäfer erzählt pausenlos von seinem. Der heißt Daniel S. Peña und kaufte für 820 Dollar eine Ölfirma, die nach acht Jahren 400 Millionen Dollar wert war. Heute besitzt er ein Schloss in Schottland und hält dort sündhaft teure Kurse für Leute ab, die gern reicher wären. Dabei setzt der stolze Vietnamkämpfer und Waffensammler auf Härte: Ob im Krieg oder im Geschäft, es siege stets nur der Stärkste. "Wenn Sie einen Freund suchen, dann kaufen Sie sich einen Hund", rät der laut Eigenwerbung "erfolgreichste Business-Coach des Planeten". Denn mit Geld, so ist der exzentrische Milliardär überzeugt, kann man sich jedes Glück kaufen. "Irgendein Professor hat festgestellt, dass die Reichsten auch die Glücklichsten sind", sagt sein Schüler Bodo Schäfer.