Das Silicon Valley gilt als das Geburtstal der Computerindustrie. Viele Erfolgsgeschichten spielen dort, wo einst Obst- und Gemüsebauern ihr Glück versuchten. Reisebüros bieten mittlerweile Bustouren im Stil der Fahrten durch Hollywood an: hier die Garage, wo die Geschichte von Hewlett-Packard begann; dort der Hinterhof, in dem die ersten Apple-Computer zusammengeschraubt wurden; eine Runde um das Uni-Labor, in dem Sandy Lerner und Leonard Bosack den ersten Router löteten, der die Grundlage für das Geschäft des Weltkonzerns Cisco Systems wurde.

Bei einer solchen Tour vergisst kein Reiseführer zu erwähnen, dass die aufregende Geschichte des Tals weitergeht, das Internet zahllose kleine Schwitzbuden hervorbringt, die von Risikokapitalisten gefördert werden und über solide finanzielle Polster verfügen. Nicht der Erwähnung wert sind jedoch die wahren sweat shops, die Hinterhöfe und Garagen, in denen die Drecksarbeit des Tales geleistet wird. Dort bauen illegale Einwandererfamilien unter gefährlichsten Bedingungen Geräte für Konzerne wie HP und Cisco zusammen. Die auf dem Küchentisch entstehenden High-Tech-Produkte werden mit Chemikalien bearbeitet, die in den Mutterfirmen längst verboten sind. Reporter der ortsansässigen Mercury News aus San Jose deckten dieser Tage die Arbeitsbedingungen der Illegalen auf. Doch einen Skandal gibt es nicht: Die Firmen sprechen von "unbedeutenden Kleinserien", und die ermittelnde Polizei bringt die Illegalen außer Landes.