Stellenmarkt in Deutschland: Gesucht: Computerspezialisten, "mobil und engagiert". Gesucht: Betriebswirte, "persönlich flexibel und mobil". Gesucht: Ingenieure, "die Ideenreichtum und Mobilität mitbringen". Gesucht vor allem und immer wieder: Mobilität. Zunehmend verlangen deutsche Firmen von ihren Mitarbeitern eine fast grenzenlose Bereitschaft, durch die Welt zu ziehen. Doch ganz allmählich wächst auch der Widerstand dagegen.

Die Unternehmen expandieren innerhalb der Europäischen Union, kaufen Betriebe in Osteuropa oder suchen sich international Partner - und verschicken dementsprechend ihre Leute. "Die Anforderung, mobil zu sein, steigt in den letzten Jahren deutlich", sagt Franz-Josef Nuss, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Personalberatung Roland Berger + Partner. "Vor 15 Jahren haben bei Neueinstellungen von zehn Firmen nur zwei oder drei absolut auf Mobilität bestanden, heute sind es schon 70 Prozent."

Für die meisten Angestellten im mittleren und oberen Management gilt inzwischen: ohne Umzug keine Karriere. "Wer heute nicht mobil ist, an dem zieht der Konkurrent vorüber", warnt Ernst Brexel von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung in Frankfurt. Doch die Forderung der Wirtschaft nach mobilen Menschen bleibt nicht ohne Folgen. Die traditionelle Lebensform "Ehe und Familie" zum Beispiel ist kaum mehr geeignet für das karrierefördernde Länder-Hopping. Wer Karriere machen will, macht sie am einfachsten allein. Schon ist in Großstädten wie Berlin die Mehrzahl der Männer zwischen 25 und 45 Jahren unverheiratet.

Wer sich länger binden will, kommt in die Bredouille

Der Mitarbeiter zieht heutzutage allein durch die Welt, aber einsam bleibt er nicht. Vielmehr suchen sich die meisten am Arbeitsort jeweils neue Lebensabschnittspartner. "Fünf Jahre München, fünf Jahre Hongkong, dort jeweils eine feste Beziehung, und bei der nächsten Versetzung werden die sozialen Bindungen wieder auf brutale Art zerhackt", so beschreibt Michel Domsch vom Institut für Personalwesen und Internationales Management an der Universität der Bundeswehr Hamburg die privaten Folgen der Mobilität.

Wer sich heute länger, womöglich lebenslang binden will, kommt früher oder später in die Bredouille. Bei jüngeren Paaren sind häufig beide Partner berufstätig. Immer weniger Frauen sind deshalb bereit, einen Mann auf seinem Karrieretrip durch die Welt zu begleiten. Und die wenigsten Männer reisen erfolgreichen Frauen hinterher. Aus gutem Grund: Wer bei einer Versetzung des Partners selbstlos mitzieht, zieht meist den Kürzeren. "In der Regel profitieren die Männer vom Umzug, während Frauen danach seltener erwerbstätig sind und geringere Einkommen erzielen", hat Hendrik Jürges, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Dortmund, in einer Studie zur Situation von Doppelverdienern nach Umzügen herausgefunden.

Die beiden Finanzexperten Volkmar und Martina Müller sind ein typischer Fall: Sie studierte in Spanien und den USA, war Banktrainee in Frankfurt, wurde dann von der Firma für zwei Jahre nach Spanien geschickt und von dort weiter nach Luxemburg. Im Großherzogtum lernte sie ihren Mann kennen, der aus Deutschland dorthin versetzt worden war. Kaum hatten sie geheiratet, kam für Martina Müller auch schon der Ruf nach Hamburg. Beide hofften, der Ehemann könne bald nachkommen. Nach zwei Jahren Wochenendehe aber wurde er stattdessen nach Singapur versetzt. Sie ging mit - und schmiss, hoch qualifiziert, nach zehn Jahren ihren Job.