Herrlich, wie es hier nach Erdbeeren riecht. Da bekommt man gleich Lust, ein Schälchen mitzunehmen. Doch seltsam, die Früchte sind in Plastikfolie eingewickelt. Wie können sie da so intensiv duften? Tun sie gar nicht. Der Geruch entströmt einer unscheinbaren Säule in der Obstabteilung des Supermarkts im oberfränkischen Küps. In ihr wird ein Duftöl verdampft, von einer Elektronik exakt dosiert.

Die Duftsäule sorge je nach Saison für den passenden Geruch, berichtet Sigi Höppner, der Geschäftsführer des Küpser Rewe-Markts. "Orangen etwa duften erst, wenn die Schale entfernt wird", sagt er. Dank der Duftattacke riecht es bei den Süßwaren im Laden nach Schokolade und Cappuccino, im Dezember wird umgestellt auf einen speziellen Weihnachtsduft.

"Ich bin ein totaler Fan der Raumbeduftung", sagt Höppner. Wie viel sie bringe, sei indes schwer messbar. Einmal habe ein Kunde eine Duftsäule mit dem Einkaufswagen umgefahren. Während sie repariert wurde, sei der Umsatz deutlich zurückgegangen. Eine Studie der Universität Paderborn ging der Wirkung der Duftsäulen in mehr als hundert Läden wissenschaftlich nach. Ihr zufolge bleiben die Kunden in bedufteten Verkaufsräumen durchschnittlich 16 Prozent länger, die Kaufbereitschaft steigt um 15, der Umsatz um 6 Prozent. Kein Wunder, dass immer mehr Geschäfte neben hübsch dekorierter Auslage und Hintergrundmusik auch anregende Gerüche einsetzen. Tankstellen wollen mit Kaffee- und Brötchenaroma den kleinen Hunger zwischendurch wecken, Reisebüros mit Meeres- und Palmenduft Fernweh hervorrufen, Tagungszentren mit Pfefferminz, Zitrone und Bergamotte die Konzentration der Besucher erhöhen, Boutiquen mit eigener Duftmarke das Image pflegen - und den Geruch der imprägnierten Stoffe übertönen. Bei der Vorstellung des Smart erlaubten sich PR-Strategen den Gag, es beim gelben Modell nach Zitrus riechen zu lassen, beim grünen nach grünem Apfel. In Japan duftet es sogar in Büros und Fabrikhallen. Mit dem Aroma von Zitrusfrüchten will Toyota die Fehlerquote am Fließband um satte 30 Prozent reduziert haben. In der New Yorker U-Bahn versuchen die Behörden, Aggressionen über die Nase abzubauen.

Auch der oberste Deutsche verzichtet nicht auf die richtige Duftnote. "Beim Sommerfest des Bundespräsidenten stanken die ausgeliehenen Zelte fürchterlich nach Kuhmist", erzählt Hans Voit aus Gräfelfing, dessen Firma Voitino für Wohlgeruch sorgen sollte. Über Nacht seien dann alle Duftgeräte "volle Pulle" gelaufen. Und am Festtag hätte den Besuchern nichts mehr in die Nase gestochen. Voit schwärmt von der jährlichen Umsatzverdopplung seines Unternehmens und von der Begeisterung seiner Kunden. Verbraucherschützer kritisieren indes, die Raumbeduftung führe den Kunden an der Nase herum, sie manipuliere ihn, ohne dass er es merke. "Natürlich ist das Manipulation", räumt Voit ein. "Aber niemand kauft sich etwas, nur weil es im Geschäft so gut riecht." Überdies beeinflussten Dekoration, Musik und freundliche Bedienung den Konsumenten genauso.

Statt den ganzen Raum einzunebeln, bläst die Firma Aerome aus Frechen bei Köln einem gezielt Geruchswölkchen um die Nase. In Parfümerien, Buchläden und am Tiefkühlregal stehen die Terminals des Unternehmens, die passend zum Werbespot an verschiedenen Stellen Düfte versprühen. Die Geräte saugen Luft an, reinigen und komprimieren sie und stoßen zum richtigen Zeitpunkt einen mit Duftmolekülen versetzten Hauch aus, der nach wenigen Sekunden verfliegt. "Selbst wenn nach dem Parfüm die Salami-Pizza kommt, mischen sich die Gerüche nicht", sagt Gregor Rudolphi, Vertriebsleiter bei Aerome. In eine Kartusche von der Größe einer Videokassette passen sechs Röhrchen mit verschiedenen Duftessenzen. Auch wenn das Konzept einfach klingt: 38 Patente sind auf den Apparat angemeldet.

Auch an Duftfernsehen denkt man bei Aerome. In die Fernbedienung könnten Aromakapseln eingebaut werden, die auf Funksignale hin aufplatzen. Die Idee von riechenden Filmen ist nicht neu. Bereits 1982 versuchte der amerikanische Underground-Regisseur John Waters, den dritten Sinn ins Kino zu bringen. Wer sich Polyester anschaute, bekam an der Kasse eine Karte in die Hand gedrückt, auf der versiegelte Duftstoffe imprägniert waren. Durch Rubbeln konnte der Zuschauer sie freisetzen.

Der Streifen floppte. Vielleicht hat Aerome aber dennoch den richtigen Riecher. Schließlich ist Multimedia heute in aller Munde.