Alles wäre Siedlung, Häuschen dicht an dicht. Für nichts bliebe noch Platz, wenn jeder sich den großen, den vermeintlichen Traum erfüllte und ein eigenes Haus baute. Schon heute wuchern Städte wie im Ruhrgebiet zusammen, immer weiter fressen sich Bungalows und Fertigbuden in die Landschaft hinein. Noch 50 Jahre, dann ist die Welt ein Häusermeer. Wenn der Drang nach dem eigenen Dach weiter anhält.

Doch warum sollte er das? Wäre es nicht vorstellbar, dass der Traum verblasst, dass niemand mehr das Glück im stillen Winkel sucht? Schließlich leben wir in Zeiten rasender Veränderung, und längst durchlöchert sind die Ideale, die vor gut 200 Jahren die Sehnsucht nach dem Eigenheim heranwachsen ließen. Damals begann der breite bürgerliche Rückzug ins Private, ins überschaubar Familiäre. Das Haus war nicht länger ein Ort, an dem man lebte - hier wurde nur noch gewohnt, die Arbeit wanderte ab in Fabriken, Büros, Werkstätten. Mit der beginnenden Industrialisierung wurde das Daheim zum Schutzraum des Ichs.

Was wird aus unseren hermetischen Gehäusen, wo wir doch mobiler sind denn je, wo immer mehr Daten und Bilder hineindrängen ins Private, wenn immer weniger Menschen eine Familie gründen? Die starren Lebensmuster lösen sich auf - und unsere Häuser? Auch sie werden die bekannten Muster sprengen, das vergitterte Dasein hinter Sicherheitszäunen und Lebensbaumhecken wird einer Offenheit weichen, und endlich bekommt der flexible Mensch seine flexible Wohnung.

Visionen einer öffentlichen Heimeligkeit

Das ist bislang nur eine Hoffnung auf die Zukunft. Doch immerhin ist es das renommierte Museum of Modern Art (MoMA) in New York, das diese Prognose wagt. Schon oft in diesem Jahrhundert hat man hier architektonische Ausblicke präsentiert, die sich später als allgemeine Erkenntnis durchsetzten, vom International Style bis zum Dekonstruktivismus. Jetzt zeigt man The Un-Private House, 26 Visionen einer öffentlichen Heimeligkeit.

Nie ist Architektur, die im Museum ja immer nur ein Abbild ihrer selbst sein kann, so ironisch beschwingt und zugleich so präzise und verständlich ausgestellt worden wie hier. Gleich am Eingang eine Fußmatte, nein, nur die Projektion einer solchen, die wegflutscht, wenn man hinübergehen will. Als wäre sie eine Einladung, sich ein wenig verwirren zu lassen - alles im Spiel, sagt diese Matte. Heitere Distanz zur hehren Zukunftsschau auch im Inneren.

Die Avantgarde wird platziert in einer Ikea-Wohnlichkeit, eine Vase mit rot-weißen Dalien inklusive. Sie ist abgestellt auf stämmigen Tischen, auf Matratzen, Couchtischen, Anrichten; um einige Filmaufnahmen zu sehen, lässt man sich in klobige Ledersessel fallen. Dazu an den Wänden Blümchenmuster in Hellblau, darauf die Bilder, Grundrisse und Erklärtexte. Futuristisch wird die Ausstellungsarchitektur nur am großen, runden Medien- und Wundertisch, an dem sich auch der Nichtkenner (allerdings immer nur einer zur Zeit) die 26 Häuser noch einmal so vorführen lassen kann, damit er auch wirklich versteht, wie da eigentlich was zusammengehört in diesen architektonischen Visionen.