Auch viele Computerlaien kennen inzwischen das Mooresche Gesetz: Gordon Moore, Mitgründer des Chipkonzerns Intel, sagte in den Anfangszeiten der Rechnerbranche voraus, dass sich die Zahl der Transistoren von Mikroprozessoren und damit ihre Leistung alle 18 Monate verdopple. Damit behielt er bisher Recht.

Eine beeindruckende Wachstumsrate. Doch die Telekommunikation kann derzeit mit einer noch viel größeren aufwarten: Eine neue Technik, dense wavelength division multiplexing (DWDM) genannt, wird es in den nächsten Jahren ermöglichen, das gesamte gespeicherte menschlicheWissen innerhalb von Sekunden durch eine einzige Glasfaser zu schicken.

Auch wenn die Erregung übertrieben scheint - DWDM ist eine verblüffende Technik. Glasfaser ist schon seit den achtziger Jahren der Stoff, aus dem neue Fernmeldenetze gestrickt werden. Das Material ist chemisch so rein, dass sich damit theoretisch ein über hundert Kilometer dickes Fenster bauen ließe, durch das Menschen noch schauen könnten. Nicht zuletzt deswegen ist es möglich, dass Laser optische Signale über Hunderte von Kilometern durch die haarfeinen Leitungen pumpen.

Bisher teilen sich Tausende von Telefonaten die Übertragungsleistung einer Glasfaser nach dem Prinzip des time division multiplexing (TDM): Jedem Gespräch wird in regelmäßigen Abständen ein Zeitschlitz von Sekundenbruchteilen zugewiesen. Die meisten Lichtleitungen übertragen auf diese Weise 32 000 Telefonate gleichzeitig, was einer Datenmenge von 2,5 Milliarden Einsen oder Nullen (sogenannten Gigabit) pro Sekunde entspricht. Allerdings gibt es auch schon Systeme mit einer Kapazität von 512 000 Gesprächen beziehungsweise 40 Gigabit pro Sekunde.

DWDM geht einen Schritt weiter. Die Technik spaltet die Glasfaser nicht nur zeitlich, sondern auch nach Lichtfrequenzen: Statt wie ursprünglich nur auf einer "Farbe" überträgt sie Daten gleich auf mehreren. Sie schafft also neue Spuren auf der Datenautobahn, ohne dass diese erweitert werden muss.

Und weil die Technik immer besser wird, steigt die Zahl der Spuren ständig: Als DWDM 1995 auf den Markt kam, waren es 8. Die meisten Systeme arbeiten heute mit 16 Farben. Mittlerweile gibt es Anlagen mit 96 Kanälen. Und Forscher rechnen fest damit, dass sie in absehbarer Zeit einen Glasfaser-Regenbogen mit 1000 und mehr Frequenzen bauen können.

Wer all das zusammenrechnet, versteht die Begeisterung der Fernmelder: Die modernsten Systeme schaffen heute mehr als zwölf Millionen Telefongespräche gleichzeitig oder knapp 1000 Gigabit oder ein Terabit pro Sekunde. Das reicht theoretisch, um den gesamten derzeitigen Bedarf an Bandbreite in den Vereinigten Staaten zu decken. DWDM-Experten gehen davon aus, dass einmal 25 Terabit pro Sekunde über eine einzige Glasfaser fließen können.