An Ideen hat es Reinhard Mohn nie gefehlt. Wie sonst hätte er aus den Weltkriegs-Ruinen eines kleinen, vornehmlich religiösem Schriftgut verpflichteten Verlags einen der größten Medienkonzerne der Welt erschaffen können? Jetzt hat der Patriarch aus Gütersloh den Einfallsreichtum, der sein Lebenswerk bestimmte, für die Zeit nach seinem Tode genutzt. Bertelsmann soll auch nach Mohns Ableben bleiben, was es in den vergangenen fünf Jahrzehnten geworden ist - ein innovatives, erfolgreiches und am Gemeinwohl orientiertes Unternehmen.

Als Kommandobrücke für die Reise in die Zukunft hat der 78-Jährige die Bertels- mann Verwaltungsgesellschaft mbH (BVG) etabliert. Das heute acht-, später sechsköpfige Führungsgremium trifft seit dem 1. Juli die strategischen Entscheidungen im Konzern. Mohn hat der BVG die Stimmrechte von rund 90 Prozent des Aktienkapitals (68,8 Prozent Bertelsmann Stiftung, 20,5 Prozent Familie) übertragen, die er bisher vertrat. Kapitalbesitz und Verfügungsgewalt werden bei Bertelsmann eindeutig getrennt. Diese Konstruktion entspricht Mohns unternehmerischer Rangordnung: Geld ist ein Instrument und für den Erfolg einer Firma nicht das Wichtigste. "Ursprünglich", stellt er mit bewährter Entschiedenheit fest, "war der Unternehmer da, nicht das Kapital."

Dennoch nähert sich 165 Jahre nach der Gründung des Unternehmens der Einfluss der Besitzerfamilie seinem Ende. Um klare Verhältnisse zu schaffen, will Mohn möglichst bald auch die Anteile der ZEIT- Stiftung am Kapital der Bertelsmann AG zurückkaufen. Die von Ebelin und Gerd Bucerius gegründete Stiftung verfügt über 10,74 Prozent der Aktien. Fast mit ein wenig Wehmut erinnert sich der Architekt des Bertelsmann-Erfolges früherer Hauptversammlungen, die vornehmlich Sache von "Mohn und Bucerius waren: die verstanden sich prima, und häufig war alles in zehn Minuten vorbei".

Ganz so einfach werden Entscheidungen bei Bertelsmann nicht mehr vonstatten gehen. Dennoch weisen die Vorsorge und Selbstbeschränkung des Übervaters dem Unternehmen einen erfolgversprechenden Weg. Dem Wunsch jedenfalls, den er für die Kernbotschaft seines Nachrufs hegt, scheint nichts entgegenzustehen: "Hat's gut gemacht."