Es mag ja sein, dass die Jugenddelinquenz zunimmt. Die Antithese, derzufolge nur die statistischen Instrumente heute lückenloser greifen, kommt mir wahrscheinlicher vor. Aber setzen wir ruhig den Fall, dass Heranwachsende öfter und bedenkenloser Kapitalverbrechen begehen als früher - ist das ein Grund, den minderjährigen Mörder fernsehkriminologisch in Serie gehen zu lassen? Hat nicht die Fiktion die Freiheit, Statistiken zu ignorieren und sich, statt immer nur dem zu folgen, was man den Trend nennt, auf das zu stürzen, was interessant ist? Das Fernsehen entdeckt den Teenie - als Zuschauer, Werbezielgruppe, Darsteller und Moderator - und wird dabei leider nicht besser. Professionalität setzt eine gewisse Reife voraus. Das gilt auch für den Mörder im Fernsehkrimi.

Es gab mal eine Art Komment unter Krimiautoren. Danach durfte der Mörder kein Irrer und kein Kind sein, denn die Unberechenbarkeit beider Tätergruppen setzt die zentrale Regel, nach der der Handlungsverlauf nachvollziehbar sein müsse, außer Kraft. Dieser Komment gilt nicht mehr. Dass es schade um ihn ist, beweisen jene Krimis, in denen die Kommissare am Ende einen schlotternden Hosenscheißer in Ketten legen müssen.

Der gar zu junge Mörder war nicht der einzige Minuspunkt in Licht und Schatten . Das Opfer, ein Abtreibungsarzt, ist so verhasst, dass die Polizei gleich dessen ganzes Umfeld verdächtigen muss. Von dankbaren Frauen keine Spur. Alles Leid, das hier die Mordmotive züchtet, stammt aus abgetriebenen Föten, und am Ende wünscht man sich die Ära totaler Reagenzglasfortpflanzung herbei, nur damit endlich Frieden herrsche.

Schenk und Ballauf haben sich in Licht und Schatten pausenlos gezankt. Diese Szenen waren klasse. Man verstand sie - je länger der Film dauerte, desto unzweideutiger - als Ärgerabfuhr über den vermurksten Plot.