Auch das ist Motorsport: Sieg und Niederlage liegen dicht beieinander.

Weisheiten wie diese werden in der Welt der Formel 1 nach jedem Rennen gedroschen. Wenn die schwarz-weiß karierte Zielflagge fällt und die Verlierer über Technik oder Taktik hadern, ist einer längst wieder weg: Der allgewaltige Formel-1-Macher Charles Bernard ("Bernie") Ecclestone entschwebt dem Geschehen für gewöhnlich vor Ende der Veranstaltung - per Hubschrauber.

Diesmal aber muss Ecclestone eine Niederlage erklären: Nach der Eröffnung eines Kartellverfahrens gegen den internationalen Automobilverband FIA und zwei von Ecclestone kontrollierte Unternehmen durch die EU-Kommission, droht dem geplanten Börsengang der Formel 1 - und damit Ecclestones Prestigeprojekt - das vorläufige Aus.

Erst im Mai hatte der Impressario zur Finanzierung des Börsengangs über die englische Bank Morgan Stanley Dean Witter und die deutsche West LB einen Eurobond plaziert - eine für institutionelle Anleger gedachte Anleihe, in diesem Fall über 2,7 Milliarden Mark. Die exklusive Vermarktung der Fernsehrechte durch die Ecclestone-Firmen Formula One Administration (FOA) und International Sportsworld Communicators (ISC) sollte den Investoren die entsprechende Rendite sichern. Allein die FOA setzt dieses Jahr durch Fernsehgelder, Sponsorenverträge und Zahlungen der Grand-Prix-Veranstalter geschätzte 400 Millionen Dollar um. Das Problem: Kippt die EU-Kommission die zentrale Fernsehvermarktung, dürften sich auch die Ertragschancen für die Zeichner des Eurobonds drastisch verschlechtern.

Dabei läuft der Formel-1-Zirkus derzeit besser denn je. War die Königsklasse des Motorsports früher ein exklusiver Klub privater Rennstallbesitzer mit Mechanikerbiografie, so hat sich die Boxengasse mittlerweile zum Tummelplatz der großen Industrie entwickelt. Mercedes etwa lässt sich das Engagement beim britischen Rennstall McLaren nach Schätzungen des Branchenblatts auto, motor und sport jährlich bis zu 150 Millionen Mark kosten. BMW und Honda fahren in der kommenden Saison. Und Ford hat gerade 51 Prozent des kleinen Stewart-Teams übernommen - jetzt überlegen die Briten, künftig unter dem Traditionsnamen Jaguar zu starten.

"Erfolg dank Diktatur" erkannte auto, motor und sport unlängst als das Erfolgsrezept der Formel 1, und Ex-Mercedes-Chef Helmut Werner - von Ecclestone als Chefaufseher der börsennotierten Formel-1-Holding vorgesehen - sagte im Interview mit dem Handelsblatt, dass "ohne den zentralistischen Ansatz" dieser Sport "gar nicht mehr existierte".

Das System Formel 1 ist das System Ecclestone. Der 68-jährige Brite, ein gelernter Immobilienhändler, hat sich ein einzigartiges Machtgefüge aufgebaut: Die FIA, deren Vizepräsident er ist, verlangt die Fernsehrechte für die von ihr genehmigten Veranstaltungen. Dann vergibt sie die Rechte exklusiv an Ecclestones Firmen. Unabhängige Veranstalter, bemängelt Brüssel, seien so gezwungen, ihre TV-Rechte der FIA zu überlassen. Zudem werde die Formel 1 vom Wettbewerb abgeschottet: Den Rennställen sei es verboten, bei vergleichbaren Meisterschaften zu starten auch sähen die Verträge mit den Sendern hohe Strafen vor, falls diese Bilder von Rennen zeigten, die Ecclestones FOA als Konkurrenz ansieht.