Die Frage, wie man an anderer Leute Geld kommt, bewegte kleine und große Geister zu allen Zeiten. Die einen gründeten Banken und Versicherungen, die anderen raubten reiche Handelsleute aus, und einige machten beides. Johann Wolfgang von Goethe indes setzte auf den gebogenen Draht: "Habt Dank, ihr Dietriche, ihr seid der Trost der Welt." Heute freilich käme der große Meister mit seinen Dietrichen nicht sehr weit.

Auch die Ganoven stellen sich zunehmend auf das Zeitalter des Computers ein.

Sie sprengen keine Panzerschränke mehr und stürzen sich auch nicht mit Strumpfmasken in Schalterhallen. In der Ära des bargeldlosen Zahlungsverkehrs erfolgen Banküberfälle natürlich bargeldlos.

Viele Banditen setzen dabei auf moderne Elektronik. Beliebt ist zum Beispiel der Bau von falschen Geldautomaten. Die stellen sie dann vor eine Bank. Wenn ein Kunde Geld abheben will, schluckt das Gerät die Karte und speichert die Geheimnummer - der Rest ist ein Kinderspiel. Noch ausgefuchster ist die Manipulation von Kreditkartenlesegeräten, wie man sie an jeder Tankstelle findet. Die Geräte werden so eingestellt, dass sie während des Bezahlvorgangs alle Daten, die auf der Kreditkarte gespeichert sind, auf eine Diskette kopieren. Der Vorteil: Der Kunde erhält seine Karte zurück und kommt gar nicht auf die Idee, etwas könne nicht stimmen.

Aber auch ohne High-Tech ist der bargeldlose Bankraub kein Problem. Das einzige, was man braucht, ist ein Überweisungsformular und ein Tarnkonto im Ausland. Dann kann man sich das Geld problemlos von fremden Konten überweisen. Freilich muss man die Nummer des Kontos kennen, das man plündern will. Aber das ist nicht schwer: Viele Kontobesitzer schreiben die Nummer auf die Visitenkarte oder auf den Briefkopf. Allerdings empfiehlt es sich, die Höhe der Transaktionen zu begrenzen. Bei mehr als 5000 Mark prüfen die Banken manchmal, ob die Unterschrift echt ist. Im Vergleich zu Goethes Dietrichen ist das jedenfalls ein gewaltiger Fortschritt. Habt Dank, ihr Überweisungsformulare, ihr seid der Trost der Welt.