Es fehlt nicht an Mutigen, die der Post Konkurrenz machen wollen, seit das Postgesetz vergangenes Jahr diese Möglichkeit eröffnete. Ohne sich viel um bürokratische Regularien zu kümmern, schrieben unerschrockene Herausforderer an die zuständige Regulierungsbehörde Briefe nach dem Muster "Ich habe gehört, daß es Lizenzen für Postdienste gibt. Schicken Sie mir eine."

Hunderte bekamen die gewünschte Erlaubnis, und 280 Firmen können die Post inzwischen sogar da attackieren, wo es ihr am meisten weh tut: Sie haben die Lizenz zum Briefe austragen. Die meisten sind Zwerge mit Namen wie Delphin Expresskurier oder Erpel-Fahrradkurier. Mancherorts haben sie der Post mit Kampfpreisen von neunzig Pfennig pro Dokument bereits große Aufträge weggeschnappt, etwa das Austragen von Stromrechnungen und Versicherungsschreiben.

Die Post hält diesen Wettbewerb für unfair und verklagt die Konkurrenz, wo immer sie kann. Über 150 Verfahren hat sie bereits angestrengt, von denen die meisten noch nicht entschieden sind. Seit vergangenem Dienstag sind die Siegchancen der Exmonopolistin stark gesunken: Vor dem Verwaltungsgericht Köln verlor sie eine Reihe von Musterverfahren gegen die Regulierungsbehörde, deren Lizenzvergabe sie angezweifelt hatte.

Die Kontrahenten stritten sich darum, was der Gesetzgeber gemeint haben könnte, als er während einer nächtlichen Sitzung ins Postgesetz schrieb, Postkonkurrenten dürften Briefe bis 200 Gramm dann befördern, wenn ihre Dienstleistung "qualitativ höherwertig" sei. Die Regulierungsbehörde und ihre kleinen Schützlinge halten es bereits für eine besondere Qualität, wenn die Briefe noch am selben Tag zugestellt werden. Der Post will das nicht einleuchten. "Wo ist die Eilbedürftigkeit für eine Rechnung?", fragt ihr Sprecher Hanns-Jürgen Gärtner. Darüber braucht sich das Unternehmen in Zukunft keine Gedanken mehr zu machen. Höherwertig ist höherwertig, befanden die Kölner Richter: "Ob ein Bedarf für diese Leistung besteht, ist nach Auffassung der Kammer unerheblich."

Die Post klagte auch erfolglos, dass sich die Konkurrenz mit den Großaufträgen für ein Gebiet die Rosinen aus ihrem Geschäft herauspicke, während die eigenen Briefträger selbst Hallig-Bewohner aufsuchten. Kühl beschied das Gericht, derartige Anstrengungen seien einstweilen das Privatvergnügen der Post. Erst wenn die Regulierungsbehörde sie zu solchen Universaldienstleistungen verpflichte, müssten wählerische Konkurrenten der Post eventuell einen Ausgleich zahlen.

Der Tag, an dem das nötig werden könnte, ist freilich fern. Die Umsätze der Kleinen "muss man mit der Lupe suchen", spottet eine Sprecherin der Regulierungsbehörde. Die Konkurrenten nahmen vergangenes Jahr gerade mal 7,7 Millionen Mark ein. Auch wenn Rudolf Pfeiffer vom Bundesverband der Kurier-Express-Paket-Dienste für die nächsten Jahre Zuwächse prophezeit - "was sind 10 Millionen gegen 19 Milliarden?", fragt er mit Blick auf den Umsatz der Post in diesem Bereich.

Die Postler allerdings fürchten, sie könnten es bald mit stärkeren Rivalen als den bisherigen zu tun bekommen. Doch die großen Zustellfirmen vom Schlage UPS sind bislang nicht eingestiegen und haben dies auch "derzeit nicht in Planung", so Hans-Peter Teufers vom Bundesverband Internationaler Express- und Kurierdienste. Ganz sicher kann sich die Post da allerdings nicht sein.