Auf den ersten Blick hat sich an der Spitze der "100 Größten" nicht viel verändert. Das Spitzentrio der deutschen Industrie hieß schon vor zehn Jahren Daimler - VW - Siemens. Die drei haben die höchsten Umsätze im Land und sind zugleich die größten Arbeitgeber. Kontinuität auch in der Verfolgergruppe: Die zwölf führenden deutschen Unternehmen des Jahres 1997 sind es 1998 geblieben.

Der zweite Blick dagegen verrät gründliche Veränderungen. Am auffälligsten bei der Nummer eins. Aus Daimler-Benz ist DaimlerChrysler geworden, der neue Gigant hat den Umsatz glatt verdoppelt. Damit besitzt der Auto- und Luftfahrtkonzern eine Größe, die in Europa konkurrenzlos ist, in Deutschland sowieso. Volkswagen als Nummer zwei (und Nummer drei in Europa) erwirtschaftet nur gut die Hälfte des DaimlerChrysler-Umsatzes, BMW als deutsche Nummer sieben gar nur noch ein Viertel.

Expansion, das gilt inzwischen auch hierzulande, ist praktisch nur noch durch Zukauf möglich. Auffälligstes nationales Beispiel in diesem Jahr: die Handelskette Metro. Mit einer Steigerung des Umsatzes um 61 Prozent kletterte das Unternehmen binnen Jahresfrist von Platz 8 auf Platz 4. Die Erklärung: Metro kaufte die beiden Konkurrenten allkauf und Kriegbaum und vergrößerte damit auch den Abstand zu den Konkurrenten Rewe (Rang 9), Tengelmann (Rang 12) und Edeka (Rang 13) beträchtlich.

Einen noch viel gewaltigeren Satz nach vorn hätte übrigens Krupp gemacht, würden nicht 1998 die Geschäftsergebnisse der fusionierten Unternehmen Krupp-Hoesch und Thyssen letztmals getrennt ausgewiesen. Mit den vereinigten Umsätzen würde der neue Ruhr-Riese von Rang 37 auf Rang 9 katapultiert. Auch der Chemiekonzern Hoechst machte in letzter Zeit Schlagzeilen dank der geplanten Fusion mit dem französischen Unternehmen Rh'ne-Poulenc. Um sich für die "Life-Science-Partnerschaft" fit zu machen, setzte Jürgen Dormann erst mal eine Abmagerungskur an. Die Folge: Hoechst, 1996 noch auf Rang 9, ist seitdem auf Rang 16 abgerutscht. Im kommenden Jahr wird das Unternehmen unter dem Namen Aventis zu finden sein, allerdings nur noch bei Europas Größen, weil der Firmensitz nach Straßburg verlegt wird.

Zu Beginn der Woche überraschte ein Ölkonzern seine Branche mit einem spektakulären Plan: Die französisch-belgische Gesellschaft Totalfina will Elf Aquitaine schlucken. Total bietet rund 40 Milliarden Dollar für den französischen Konkurrenten. Schon im vergangenen Jahr fanden acht der zehn größten Unternehmenskonzentrationen aller Zeiten statt, und dabei waren noch schwindelerregendere Summen im Spiel. Bei der Megafusion der Erdölgiganten Exxon und Mobil ging es um 86 Milliarden Dollar, bei der Ehe der amerikanischen Finanzgruppen Travelers und Citicorp um 73 Milliarden Dollar.

Die Deutsche Bank, selbst Partner einer Riesenfusion, wunderte sich: "Auch die vergleichsweise bescheidenen Hochzeiten, an denen europäische Unternehmen beteiligt waren - wie DaimlerChrysler mit einem Volumen von 40 Milliarden Dollar -, erreichen inzwischen kaum vorstellbare Größen."

Was große und weniger große Unternehmen in die Fusion treibt, erklärt Dieter Wolf, der Präsident des Bundeskartellamtes: "In der Regel entscheiden sich die Unternehmen für den Weg des externen Wachstums durch Fusionen, weil er gegenüber dem internen Wachstum die wesentlich kostengünstigere und schnellere Variante ist, um sich für den weltweiten Wettbewerb neu zu positionieren." Und dass der Wettbewerb auf den globalen Märkten immer härter wird, das ist für die Fachleute eine ausgemachte Sache.