Eine Tagung der Alfred-Herrhausen-Gesellschaft, angesetzt für den 2. Juli im Berliner Reichstag, wollte die Deutsche Bank, man ist ja so wahnsinnig kulturfreudig, mit einer "Premiere" von Christoph Schlingensief dekorieren.

Der kündigte leider an, was er vorhatte: Unter dem Titel Rettet den Kapitalismus wollte er Spenden für den Wiederaufbau der zerbombten Kinder- und Jugendtheater in Belgrad und Prishtina sammeln - im Falle, dass die erhofften 100 000 Mark nicht zusammenkämen, das Geld vom Reichstag aus auf Passanten herabwerfen, bei einer erfolgreichen Sammlung die eigene Gage von 15 000 Mark auf dem nämlichen Weg "in kleinen Scheinen" unters Volk bringen.

Das war zu viel für die Erdnussherren oder auch zu wenig. Pikiert sagte man das Unternehmen ab und besteht auf der Rückzahlung der Anzahlung. Aus dem Fenster wirft die Deutsche Bank nämlich nur Millionen, was, wir gedenken des Immobilienhändlers Schneider, zunächst niemand merkte, weil die Fenster noch ungebaut waren. Schlingensief aber hat, obwohl vom Theater, nicht einmal ein Toupet, das er abnehmen könnte. Die Deutsche Bank aber lebt weiter, obwohl sie nicht zu retten ist.