Der Krieg gegen Jugoslawien hatte nur elf Tage gedauert. Nachdem die jugoslawische Luftwaffe durch die Bombardierung Belgrads schon in den ersten Kriegstagen zerstört worden war, kapitulierte der Balkanstaat am 17. April 1941. Ein Krieg, ganz in der Tradition der Blitzsiege. Die Wehrmacht richtete sich auf eine ruhige Besatzungszeit in Serbien ein. Außer einiger lokaler Widerstandsaktionen rechnete sie mit keiner relevanten Gegenwehr. Und den martialischen, schnauzbärtigen Tschetniks, die viel eher in die Kostümfilme Hollywoods als auf die von Panzern und Flugzeugen beherrschten Schlachtfelder des Zweiten Weltkrieges passten, würde die stärkste und modernste Militärmacht der Welt wenn notwendig mit exemplarischer Härte noch allemal beikommen.

So erwartete der Kommandant des XI. Armeekorps, General von Kortzfleisch, am 27. April 1941 von der Truppe, dass "mit rücksichtsloser Schärfe jeder Widerstand gebrochen wird. Jeder mit der Waffe in der Hand bei Gegenwehr oder Flucht Angetroffene ist unverzüglich zu erschießen." Und der Befehlshaber der 2. Armee, Generalfeldmarschall Maximilian von Weichs, ordnete einen Tag später an: "Tritt in einem Gebiet eine bewaffnete Bande auf, so sind auch die in der Nähe der Bande ergriffenen wehrfähigen Männer zu erschießen, sofern nicht sofort einwandfrei festgestellt werden kann, daß sie nicht mit der Bande in Zusammenhang gestanden haben. Sämtliche Erschossene sind aufzuhängen, ihre Leichen sind hängen zu lassen." Am 19. Mai, als bereits 100 Serben nach einem Anschlag auf einen deutschen Soldaten erschossen waren, ließ von Weichs in allen noch nicht befriedeten Orten Serbiens Plakate aufhängen, die ankündigten, dass "für jeden deutschen Soldaten, der durch Überfall von serbischer Seite zu Schaden kommt, rücksichtslos jedesmal weitere 100 Serben erschossen werden".

Die Wehrmacht ließ keine Zweifel aufkommen, dass sie gewillt war, jeden Widerstand mit brutalsten Mitteln zu brechen. Dass dabei vor kriegsverbrecherischem Terror nicht zurückgescheut werden sollte, ist evident: Willkürlich aufgegriffene wehrfähige Zivilisten wurden erschossen, danach die toten Opfer auch noch öffentlich aufgehängt.

Das mittlerweile wohl bekannteste Beispiel von Verbrechen der Wehrmacht an der Bevölkerung zu Besatzungsbeginn hat der Sonderberichterstatter der OKW-Propagandaillustrierten Signal, Gerhard Gronefeld, fotografiert

er hat die Bilder dann versteckt und so über den Krieg gerettet. Nachdem einzelne Fotos bereits in verschiedenen Publikationen erschienen sind, ist die Serie von über 50 Aufnahmen in der Ausstellung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944 erstmals komplett zu sehen. Sie zeigen die Erschießung und Erhängung von Zivilisten in Pancevo im April 1941.

Drei Tage nach der Kapitulation Jugoslawiens, am 20. April 1941, war in Pancevo ein Angehöriger der Waffen-SS-Division Das Reich von serbischen Heckenschützen aus einem Friedhof heraus erschossen, ein weiterer schwer verwundet worden. Gerüchte sprachen davon, dass die Schützen durch einen unterirdischen Gang geflüchtet wären, der angeblich von einer Gruft im Friedhof zu einem Gasthaus führte. Doch gesehen hatte diesen Gang niemand.

Der Stadtkommandant, Oberstleutnant Fritz Bandelow, gab daraufhin per Plakatanschlag die Erhängung von zehn Serben für jeden verwundeten oder ermordeten Soldaten bekannt. Noch am gleichen Tag begann eine Razzia in der Stadt, bei der Wehrmacht- und Waffen-SS-Einheiten etwa hundert Menschen festnahmen. Als offizielle Begründung für deren Verhaftung reichte aus, dass - wie im Tätigkeitsbericht der Sanitätskompanie der Waffen-SS-Division Das Reich vermerkt - in ihren Wohnungen "Bündel von Zivilkleidern und Uniformstücke gefunden worden waren". Im Gerichtsgefängnis wurden dann 40 ausgesucht und in das ehemalige Hotel Esplanada, das seit wenigen Tagen "Deutsches Haus" hieß, überstellt.