Die Liste der Nebentätigkeiten, die der CDU-Abgeordnete und frühere Forschungsminister Heinz Riesenhuber im Handbuch des 14. Deutschen Bundestages veröffentlicht hat, ist besonders lang. Er ist ein Multitalent, vergleichbar nur mit Otto Graf Lambsdorff, der in seinen besten Zeiten auf 22 Posten kam. Ganz so viel hat Riesenhuber nicht, immerhin aber übt er neben seinem Mandat nicht nur den Beruf als Unternehmensberater und Geschäftsführer der F + T GmbH, Beratung zur Forschung und Technologie, in Frankfurt/Main aus, er sitzt auch in zehn Aufsichts- und Beiräten namhafter Unternehmen wie Allianz, Bankers Trust, Henkel, Mannesmann und Osram. Zudem ist "Riese" im Deutsch-Amerikanischen Akademischen Konzil als Vorsitzender und im Deutsch-Japanischen Kooperationsrat für Hochtechnologie und Umwelttechnik als Kopräsident aktiv. Beide Posten hatte ihm der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl als Trostpflaster dafür einrichten lassen, dass er 1993 nach fast elfjähriger Ministertätigkeit sein Amt an Jürgen Rüttgers abgeben musste. Der kann mit seinem Vorgänger nicht mithalten. Auf einer Textseite im Handbuch, Teil II, steht nur: "Keine veröffentlichungspflichtigen Angaben". Rüttgers gehört damit zur Minderheit von 106 Parlamentariern, die keinen anzeigepflichtigen Nebentätigkeiten nachgehen. Nach den Verhaltensregeln für Mandatsträger sind alle 669 Bundestagsabgeordneten verpflichtet, zu Beginn jeder neuen Legislaturperiode sämtliche neben dem Mandat ausgeübten Tätigkeiten in Beruf, Vorständen, Aufsichts- und sonstigen Räten oder Körperschaften, Vereinen und Stiftungen zu melden. Dazu gehören auch Vereinbarungen über Tätigkeiten, die ihnen während oder nach Beendigung des Mandats einschließlich etwaiger Vermögensvorteile übertragen werden sollen.

Nur das Bundestagspräsidium darf aber erfahren, wie viel die Abgeordneten aus ihren Nebentätigkeiten verdienen.

Dass dem 14. Bundestag ökonomischer Sachverstand fehlen könnte, ist nach Durchsicht der Listen nicht zu befürchten. Fast 150 Abgeordnete sind als Selbstständige oder in anderer Funktion für Unternehmen tätig. Es können ein paar mehr sein, weil unter den 63 Rechtsanwälten sicher auch solche sind, die nur gelegentlich mal Mandanten mit wirtschaftlichen Interessen vertreten.

Nicht alle sind so fest mit Unternehmen verbunden wie der Erlanger Rechtsanwalt Gerhard Friedrich (CDU/CSU), der im Kuratorium der Duales System Deutschland GmbH und im Aufsichtsrat eines Nürnberger Energieversorgers sitzt. Auch die beiden Konzerne DaimlerChrysler und VW haben fortan einen MdB in Berlin, DaimlerChrysler den Industriekaufmann Herbert Frankenhauser (CDU/CSU), VW den teilzeitbeschäftigten Ingenieur Bodo Seidenthal (SPD).

Gleich zwei Sozialdemokraten setzen die Tradition fort, die mit Alex Möller begann: Rudolf Dreßler und Herta Däubler-Gmelin weisen sich als Mitglied des Beirats der Karlsruher Lebensversicherungs AG aus, deren Generalbevollmächtigter Möller einmal war. Auch FDP-Wirtschaftssprecher Rainer Brüderle, ehemals Wirtschaftsminister in Rheinland-Pfalz, ist dem Versicherungsgewerbe (Provinzial) verbunden, und bei der Deutschen Bank ist er als Beiratsmitglied hilfreich. Längst nicht alle MdB, die nebenbei Banken dienen, sind einflussreiche Banker. Die Mitgliedschaft im Verwaltungsrat der Kreissparkasse Ostalb/Aalen eröffnet für Georg Brunnhuber (CDU/CSU) nicht die große Welt des Geldes. Auf die hat Reinhard Göhner (CDU/CSU) im neuen Bundestag als Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände schon mehr Einfluss.

Wissenswert ist noch, dass keiner der 669 Parlamentarier im vergangenen Wahljahr das große Spendengeld kassiert hat. "Für das Kalenderjahr 1998 liegen Anzeigen für zu veröffentlichende Spenden nicht vor", heißt es knapp.

Allerdings sind nur Spenden meldepflichtig, die den Wert von 20 000 Mark übersteigen. Was aber sind heute schon 20 000 Mark.