In wenigen Tagen ist es so weit. Dann werden die Aktionäre über die größte Pharmafusion aller Zeiten abstimmen. Aus Hoechst und Rh'ne-Poulenc soll Aventis werden. Am kommenden Montag geben die Anleger von Rh'ne-Poulenc in Paris ihr Votum zu Aventis ab. Und Hoechst-Chef Jürgen Dormann hat sich für die extra angesetzte Hauptversammlung nächste Woche die Messehalle am Frankfurter Bahnhof sicherheitshalber gleich für zwei Tage reservieren lassen.

Sieben Monate nach Bekanntwerden der Fusionspläne dürfen jetzt auch die Kleinaktionäre mitreden, und die werden viele Fragen haben, bevor sie ihr Kreuzchen auf den Stimmzettel machen. Dass die Fusion noch scheitert, ist unwahrscheinlich, nachdem Dormann in monatelanger Kleinarbeit seinen Grossaktionär aus Kuwait überzeugt hat.

Selten hat eine Firmenehe so viel Staub aufgewirbelt. Selten wurde über das Wohl und Wehe eines neuen Unternehmens länger gestritten. Nicht ohne Grund.

Schließlich stirbt mit dem Firmennamen Hoechst ein Stück deutscher, mit Rh'ne-Poulenc ein Teil französischer Industriegeschichte. Was die neue Aventis für Aktionäre und Arbeitnehmer bringen wird, kann noch niemand sagen.

Den härtesten Part haben die Konzernstrategen noch vor sich

Nur eines ist sicher: Den härtesten Part haben die Konzernstrategen von Hoechst und Rh'ne-Poulenc noch vor sich. Jetzt müssen sie aus zwei Hälften ein Ganzes formen und dabei völlig verschiedene Unternehmenskulturen miteinander vereinen.

Wie schwer das sein kann, zeigen andere Beispiele aus der Chemie- und Pharmaindustrie. In keiner anderen Branche gab es in den vergangenen Jahren mehr Fusionen als in der europäischen Chemie - gleichzeitig ist das Risiko gerade hier besonders hoch. Insgesamt scheitern gut die Hälfte aller Firmenehen, in der Chemie und Pharmabranche gelingt es sogar nur in einem Drittel der Fälle, den Unternehmenswert zu steigern, hat die Managementberatung A. T. Kearney in Düsseldorf ausgerechnet. Noch drastischer urteilt Barrie James von der Unternehmensberatung Pharma Strategie Consulting in Basel. In der gesamten Pharmaindustrie hat es in den vergangenen 30 Jahren keine Fusion oder Übernahme gegeben, die den Marktanteil der beiden Firmen nennenswert gesteigert hätte, resümiert James. Meist scheiterten die Firmenehen am kulturellen Dissens.