Dieser bockige deutsche Arbeitnehmer - es ist schon ein Kreuz mit ihm. Es erdrückt ihn fast die Arbeitslosigkeit. Neue Jobs in alten Industrien sind nicht in Sicht. Und er? Verschreckt auch noch die Dienstleistungsbranche, die abseits brodelt und brummt und nur darauf wartet, endlich auch in Deutschland loszuboomen. Ständig ist er miesepetrig, lässt die Dienstleister links liegen und verpasst damit den Zug ins 21. Jahrhundert. Doch halt. Dafür kann er erst mal eigentlich nichts, schreibt Torge Lars Rosenburg in seinem Buch Die Laden-Hüter. Die Dienstleistungen sind sozusagen 100 Jahre zu spät da. Im vorigen Jahrhundert war die Arbeitsmoral noch dienstleistungskompatibel: Fleiß, Pflicht, Disziplin waren die Werte der damaligen Industriearbeiter.

Was der Arbeitgeber verlangte, wurde gemacht. Meistens.

Inzwischen, und nach dem Gang der Zeitläufte ganz zwangsläufig, stehen Selbstentfaltung und Kreativität beim deutschen Arbeitnehmer ganz oben. Das aber, so Rosenburg, passt nun einmal ganz und gar nicht zu Dienstleistungsjobs. Wer in einem Supermarkt an der Kasse über acht Stunden Erbsendosen und Margarinebecher mit einem Lächeln einscannen will, darf nicht kreativ sein.

Nun sollen aber Dienstleistungen aller Art die Jobmaschinen der Zukunft sein.

Wertewandel hin, Wertewandel her - diese fromme Hoffnung will Rosenburg denn nun doch nicht zerstören. Und also holt er die Brechstange heraus. Ob es dem deutschen Arbeitnehmer gefällt oder nicht: Er muss sich jetzt mal am Riemen reißen, dabei über seinen Schatten springen und einfach netter und freundlicher sein. Denn allein das ist sein komparativer Vorteil. Setzt der Dienstleistungsarbeitnehmer den nicht ein, droht ihm das gleiche Schicksal wie dem Industriearbeitnehmer: Maschinen - Computerstimmen, Automaten und so weiter - ersetzen den Menschen.

Das ist nicht nur eine steile These. Der flehende Aufruf an das Nette im Menschen ist des Autors Kapitulation. Sein Versuch auf den Seiten zuvor, Wertewandel und deutsche Dienstleistungsmuffelei zu versöhnen, erklärt er damit selbst für gescheitert. Dabei lässt sich der Versöhnungsversuch ganz plausibel an. Der Autor setzt zum einen auf das Leistungsprinzip. Je besser die Leistung, desto mehr Geld. Für Dienstleistungsjobs heißt das primär: je freundlicher, desto mehr Geld. Das müsste wirken und der Arbeitnehmer endlich mehr lächeln. Den Unternehmen schreibt er - zum anderen - vor: Sie müssen den wertegewandelten Arbeitnehmer fördern und mit interessanten Aufgaben ködern - und eben nicht zum Untergebenen degradieren. Schon fühlt der Spielräume für seinen Selbstentfaltungsdrang und seine Kreativität.

Ganz abgesehen davon, dass dies nicht nur eine Strategie für Dienstleistungsjobs ist: Zumindest das strikte Leistungsprinzip, das Rosenburg vorschlägt, ist erst einmal nur für die Hochleister akzeptabel. Und auch der vermeintliche Widerspruch von Kreativität und Dienstleistungsjob existiert für sie gar nicht. Im Gegenteil: Als Programmierer, Finanzberater oder Werber kommt man ohne gar nicht aus.