Die Chinesen sind ganz versessen auf Reiscracker, vor allem auf solche aus dem Hause Want Want. Kein Wunder, dass sich der Aktienkurs des an der Börse Singapur - und auch im deutschen Freiverkehr - gehandelten Herstellers von Knabbergebäck in den vergangenen Monaten etwa verdreifachte.

Aber nicht nur die Hersteller von Appetithappen sind gefragt. Wo man hinschaut, florieren die Börsen in den Emerging Markets, den aufstrebenden Märkten. Die Aktienkurse in China haben seit Jahresbeginn rund 40 Prozent zugelegt, in Mexiko und Thailand waren es rund 50 Prozent, in Korea sogar gut 60 Prozent. Den Vogel schossen Indonesien und Russland ab. Dort konnten sich die Notierungen mehr als verdoppeln. Im Schnitt kletterten die Börsenkurse der aufstrebenden Schwellenländer Asiens, Osteuropas und Lateinamerikas seit ihren Tiefstständen im Herbst vergangenen Jahres um rund 60 Prozent.

Dennoch liegt der von der US-Investmentbank Morgan Stanley Dean Witter ermittelte MSCI Emerging Markets Free Index, das Börsenbarometer für alle Aktien, die Ausländer in den Schwellenländern kaufen dürfen, immer noch gut 30 Prozent unter seinem Höchststand. Ohnehin haben die Langfristanleger in den Schwellenländern eine Berg-und-Tal-Fahrt hinter sich, die jede Kirmesattraktion in den Schatten stellt.

Mitte der achtziger Jahre begannen Investoren, die Emerging Markets als Anlagechance zu entdecken. Der Nachholbedarf gegenüber den reichen Industrieländern, so das Kalkül, führe dort zu größerem Wirtschaftswachstum, lasse die Gewinne der Unternehmen schneller steigen und verspreche damit überdurchschnittliche Kursgewinne an der Börse. Zunächst ging die Rechnung auf. Die anfänglichen Erfolge lockten zusätzliche Gelder an, die den Kursanstieg beschleunigten.

Zu Beginn des Jahrzehnts löste der Golfkrieg den ersten empfindlichen Rückschlag aus. Dann startete 1991 eine weitere Welle der Euphorie, die bis 1993 in einer Verdreifachung des Kursniveaus kulminierte. Die Mexikokrise 1995 brachte erneut einen heftigen, wenn auch nur relativ kurzen Abschwung.

Die folgende Erholung wurde allerdings 1997 und 1998 durch die Krise in südostasiatischen und anderen Ländern zunichte gemacht. Der Index fiel um 60 Prozent. Wer seit 1993 sein Geld in die Emerging Markets investiert hat, steckt im Durchschnitt bis heute in den roten Zahlen.

In China werden wieder die höchsten Wolkenkratzer gebaut Jetzt scheinen sich die Krisengespenster erneut zu verziehen. Die Anleger schöpfen wieder Vertrauen. Zuversicht schaffen die Erholung der Weltwirtschaft, Anzeichen einer besseren Konjunktur in Japan, die boomende Wirtschaft in den USA und Reformen in den betroffenen Ländern. Der Heilungsprozess wurde durch Kreditspritzen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank beschleunigt. Die Wirtschaft in den betroffenen Staaten rappelt sich wieder auf.