Der Erfolgsdruck war enorm. Beim dritten Treffen der Partner im Bündnis für Arbeit mussten Ergebnisse her. Sonst hätten all jene triumphiert, die die deutsche Konsensgesellschaft sowieso für unfähig halten, die gegenwärtigen Probleme zu lösen. Die Skeptiker wollen Regierung und Verbände jetzt mit den ersten Früchten ihrer Bemühungen widerlegen. Zudem demonstrieren Arbeitgeber und Gewerkschaften mit ihrer gesonderten Erklärung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit den Willen, künftig stärker aufeinander zuzugehen. Auch wenn viele Themen noch vertieft und Einzelheiten weiter diskutiert werden müssen - bilateral ebenso wie in der Kanzlerrunde -, in zwei Punkten wurde man nun einig.

Konkret profitieren werden von der neuen Harmonie zunächst Jugendliche und ältere Beschäftigte. Wer eine Lehrstelle sucht, so hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder stets versprochen, soll einen qualifizierten Ausbildungsplatz erhalten. Dieses Versprechen soll nun eingelöst werden. Mehr noch: Die jungen Leute können damit rechnen, "wohnortsnah" fündig zu werden und in ihrem "Berufswunschfeld".

Höchste Zeit zum Handeln. Der Berufsbildungsbericht der Bundesregierung sagt für den Herbst einen neuen Bewerberrekord voraus. An die 690 000 Schulabgänger dürften sich um eine Azubi-Stelle bemühen, dazu jene 35 000, die im vorigen Jahr leer ausgegangen sind. Zugleich soll dem ständigen Streit um die Ausbildungslücke, den Arbeitgeber und Gewerkschaften Jahr für Jahr austragen, durch gemeinsame Überprüfung der Bilanz ein Ende gemacht werden.

Vom Tisch ist damit endlich die Ausbildungsplatzabgabe, mit der unwilligen Unternehmen notfalls Beine gemacht werden sollte. Und allein auf das Versprechen der Unternehmensverbände, das in den vergangenen Jahren schon mehrfach gegeben, aber nie erfüllt wurde, muss sich niemand mehr verlassen.

Das zähe Ringen um Konsens hat sich also gelohnt.

Ältere Beschäftigte profitieren von den gelockerten Vorschriften zur Wiederbesetzung von Stellen, die durch Altersteilzeit frei werden. Der frühe Abschied vom Beruf kann künftig häufiger genommen werden.

Wunder sind vom Bündnis für Arbeit auch in Zukunft nicht zu erwarten. Schritt für Schritt aber könnten sich die Streitpunkte ausräumen lassen. Ein Anfang ist gemacht.