Als eiserner Kanzler hat Gerhard Schröder bisher nicht von sich reden gemacht. Eher wurden biegsamere Werkstoffe bemüht, um ihn zu beschreiben. Das könnte sich ändern. Sollte es auch. Denn auf dem Deutschen Bauerntag am vergangenen Wochenende hat der Regierungschef erstaunliches Rückgrat gezeigt.

Wie er vor einer brüllenden und teilweise entblößten Menge Kurs hielt, das lässt auf Durchsetzung seiner Botschaft hoffen: "Wir müssen alle sparen, und wir werden alle sparen."

Es wird genügend Gelegenheit geben, den Kanzler beim Wort zu nehmen. Die Lobbys lauern überall. Vor Gewerkschaften und Unternehmerverbänden, vor eigenen Genossen und vor Piëch steht der Härtetest noch an. Doch anders als Übelmeinende, die auch auf dem Bauerntag nur den berechnenden Politiker am Werke sahen, können wir unbestreitbare Ursachen für Schröders Persönlichkeitswandel benennen.

Nicht nur erinnern wir an Goethes ewige Wahrheit, dass "sich ein Charakter in dem Strom der Welt" bildet. Siehe hierzu EU- und G-8-Präsidentschaft, Kosovo-Krieg. Wir dürfen auch erwähnen, dass sich Schröder inmitten des Bauernaufstandes penibel an den jüngst in Riesenlettern erteilten Ratschlag einer bekannten Wochenzeitung hielt: "Nur Mut, Kanzler." Noch Zweifel?