Der Chef des französischen Mineralölkonzerns Elf Aquitaine hat einfach kein Glück. Philippe Jaffré befürwortete selber die geplante Fusion der französischen Banken BNP, Société Générale und Paribas zu einem der größten Kreditinstitute der Welt. Aus nationalem Interesse. So sollte sich Frankreichs Bankwesen für den Weltmarkt wappnen. Mit dieser Einstellung entzog sich Jaffré jedoch die eigene Argumentationsbasis. Weil die Rohölpreise fallen und die Erschließung neuer Energiequellen immer teurer wird, soll nun sein eigenes Unternehmen geschluckt werden - vom ehemals kleineren Bruder TotalFina, aus nationalem Interesse. Der Staat als Elf-Aktionär hat nichts dagegen. Entstehen würde der viertgrößte Mineralölkonzern der Welt mit dem Namen Concordia. Obwohl sich die französische Erdölindustrie so gegen die Übergriffe aus dem Ausland rüsten könnte, gefällt das dem - ebenso ehrgeizigen wie unbeliebten - Jaffré überhaupt nicht. Er gibt sich überrascht und spricht von einer feindlichen Übernahme. Dabei kursierten schon seit Monaten Gerüchte über diesen Coup.

Totals aggressive Strategie ist bekannt. Erst im Dezember verleibte sich das Unternehmen die belgische Petrofina-Gruppe ein und zog mit dem angeschlagenen Elf-Konzern gleich. Dieser kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus: Jaffré schaffte es nicht, die norwegische Saga zu übernehmen. Die Allianz mit Russlands Yukos stellte sich als Totgeburt heraus. In Deutschland bricht das Gerede um die undurchsichtigen Umstände der Übernahme von Leuna/Minol nicht ab. Und seit Monaten streiken Elf-Beschäftigte in Frankreich gegen beabsichtigten Stellenabbau. Schließlich kam ihm Total mit der Übernahme von Petrofina zuvor. Weil es viel schlimmer nicht kommen kann, soll manchen Elf-Oberen eine Übernahme sogar willkommen sein.