Lehrer haben ein feines Leben. Sie arbeiten nicht einmal 30 Stunden pro Woche, genießen mehr als 12 Wochen Ferien im Jahr. Und am Nachmittag sitzen sie nicht wie unsereins im Büro, sondern zu Hause auf ihrer Veranda.

"Stimmt nicht", hat eine Kommission in Hamburg festgestellt und die landläufigen Vorstellungen zur Arbeitsbelastung deutscher Pädagogen als das hingestellt, was sie sind: Futter für den Stammtisch. 1800 Stunden, so das Ergebnis, sind Hamburger Lehrer im Durchschnitt im Einsatz - rund 100 Stunden mehr als andere Beschäftigte im öffentlichen Dienst.

Die Erkenntnis ist nicht neu. In Nordrhein-Westfalen hatte eine Zählung des Kultusministeriums ähnliche Werte ermittelt. Originell sind jedoch die Schlüsse, welche die Kommission aus dem Ergebnis zieht: Anders als die Lehrerlobby rufen die Experten zu Recht nicht nach neuen Planstellen. Denn die Mehrarbeit ist den Pädagogen zuzumuten. Schließlich verdienen sie als höhere Beamte mehr als der Durchschnitt der Staatsdiener und müssen nie fürchten, den Job zu verlieren.

Die Experten fordern vielmehr, die Arbeit besser zu verteilen. Denn der Englischlehrer in der Oberstufe leistet ungleich mehr als der turnende Kollege in der 5. Klasse. Wer sich als Klassenlehrer engagiert, wer die Computer der Schule in Schuss hält, muss Dutzende Tage zusätzlich investieren. Bis 500 Stunden im Jahr klafft die Belastung zwischen fleißigen und faulen Lehrern auseinander. Bislang wird solche zusätzliche Mühe nicht honoriert. Was zählt, sind die Pflichtstunden, die der Lehrer in der Woche unterrichtet. Die Kommission will das ändern. Sie schlägt eine Rechnung vor, welche die tatsächliche Jahresarbeitszeit misst - und dabei sämtliche Tätigkeiten einbezieht. Wer ein Fach unterrichtet, das eine Menge Vor- und Nachbereitung erfordert, soll in Zukunft weniger Stunden geben.

Das Modell (im Internet: members.aol.com/ DLH1973/) weist den richtigen Weg.

Es schafft nicht nur mehr Gerechtigkeit im Kollegium. Es könnte Kritikern der Zunft zeigen, dass zum Lehrerjob weit mehr gehört, als täglich ein paar Stunden vor der Klasse zu stehen. So mancher, der nachmittags auf der Veranda sitzt, korrigiert gerade Klassenarbeiten. Oder büffelt Türkischvokabeln für den Elternabend.