Der Mensch hat gelernt, sich selbst als Krone der Schöpfung zu verstehen - auf dem Weg zu dieser Einsicht aber leider vergessen, dass gerade der Begriff "Schöpfung" nicht zur Selbstherrlichkeit verleiten darf, sondern im Gegenteil zur Selbstbescheidung führen müsste. Und so führt er sich denn als Nicht-Tier auf - rücksichtslos gegenüber anderen Lebewesen. Übrigens so richtig viehisch erst seit ungefähr vier Jahrzehnten. Das ist die Zeitspanne, in der sich die Intensivhaltung, also die unmenschliche Haltung von Nutztieren, rapide ausgebreitet hat.

Aber es gibt noch Richter in Karlsruhe. Die haben am Dienstag der deutschen Legehenne jenes Minimum an "artgemäßer Bewegung" zugesprochen, das im Tierschutzgesetz seit 1993 für die "Mitgeschöpfe" erst recht vorgesehen ist: 450 Quadratzentimeter legte die bisherige Verordnung pro Henne fest, 550 gesteht eine neue EU-Richtlinie immerhin zu. Aber die durchschnittliche Legehenne misst 47,6 auf 14,5 Zentimeter, macht 690,2 Quadratzentimeter - im Ruhezustand

nichts da mit Bewegung.

Wer will, kann sich über solche Bemessungen belustigen. Wie soll denn ein Rechtssystem, das nur natürliche und juristische Personen als Träger von Rechten kennen kann, je den Gesamtzusammenhang der Natur begreifen? Es ist ja auch schwierig, zwischen Tier und Mensch eine genaue Grenze zu ziehen - oder eine solche zu bestreiten. Aber noch reicht der gesunde Menschenverstand aus, zu erkennen, wo der Mensch zum Unmenschen wird - oder zum Untier. Sofern man nur hinschaut.