die zeit: In der Kooperation zwischen deutschen und französischen Unternehmen hat es in der Vergangenheit viel Ärger gegeben. Nach dem Krach zwischen Aérospatiale und Dasa, den Börsen in Paris und Frankfurt am Main und schließlich France Télécom und Deutscher Telekom war die Verärgerung in Frankreich groß. Die Zeitung Le Monde bezeichnete Deutschland als "perfide" und sprach vom "serienmäßigen Verrat der germanischen Verbündeten". War es Verrat?

André Moog: Ein grundsätzliches Problem ist, dass französische Unternehmer die Arroganz haben zu glauben, sie seien stets die Besseren. Wenn sie dann in Konferenzen oder Seminaren mit ihren deutschen Kollegen sprechen, erhalten sie oft Gegenwind. Auch die Deutschen können arrogant sein, meist aber als Reaktion, nicht als Aktion. Das ist so in der Telekommunikation, in der Luftfahrt, manchmal auch in der Automobilbranche.

zeit: Überheblichkeit also nicht nur bei den Deutschen, sondern auch bei den Franzosen, denen ja oft ein Minderwertigkeitskomplex gegenüber der Wirtschaftsmacht Deutschland nachgesagt wird?

Moog: Ich habe das Gefühl, dass die Franzosen zum Beispiel glauben, dass die deutsche Telekommunikationsindustrie zehn Jahre hinter der Frankreichs zurückliegt. Ich weiß nicht, ob das ein Missverständnis oder eine Illusion ist. In den Eliteschulen Frankreichs hört man jedenfalls: Wir sind die Besten. Haben wir nicht den Airbus erfunden?

zeit: Wie erklärt es sich dann, dass Deutschland und Frankreich trotzdem so stark miteinander kooperieren, obwohl es diese erheblichen Meinungsverschiedenheiten gibt?

Moog: Sie sind wegen der Globalisierung zur Kooperation gezwungen. Franzosen und Deutsche können weltweit allein nichts mehr ausrichten, egal, ob sie sich verstehen oder nicht: Sie sind die stärksten Handelspartner. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als aufeinander zuzugehen. Ob sie das gern tun oder nicht, das ist eine andere Frage.

zeit: Wo hakt es besonders?