Mancher muss erst scheitern, bevor er Erfolg hat. Zehn Jahre ist es nun her, damals war Wolfgang A Herrmann Dekan. Und als er am Ende seiner Amtszeit fragte: "Was hast du erreicht?", da musste er sich eingestehen: nicht viel. Gewiss, die Hochschullehrer lehrten, die Studenten studierten. Und weder Streiks noch Skandale erschütterten die Fakultät für Chemie und Biologie der Technischen Universität München.

Aber die vielen neuen Ideen, mit denen Herrmann angetreten war, hatten die Gremien klein gehackt, oder sie waren versickert. Der Dekan hatte mehr verwaltet als gestaltet und "viele Akten von links nach rechts geschoben". Dennoch lobten ihn die anderen Kollegen sehr, als er turnusmäßig abtrat. Da dämmerte es Wolfgang A Herrmann, was er falsch gemacht hatte. Und er schwor sich: "Wenn ich wieder eine solche Chance bekomme, werde ich kämpfen."

Im Zentrum der Rundumerneuerung: eine Verwaltungsreform, die die Macht an der Uni neu verteilt. In Zukunft bestimmen nicht mehr Kommissionen und Ausschüsse, in denen viele reden, aber niemand haftbar ist, über Geld und Stellen, sondern Menschen: der Präsident und die Dekane der Fakultäten. Die neue Hochschulordnung der TU München macht aus den einstigen akademischen Verwaltern der Hochschulorganisation Wissenschaftsmanager mit Entscheidungsbefugnissen - und der Pflicht zu persönlicher Rechenschaft.

Wann glücken Reformen? Ein Dreisatz gilt dabei sicher - man braucht das richtige Personal zur passenden Zeit am rechten Ort. An der TU München kommt das zusammen: eine Hochschule, die von jeher aufs Pragmatische gepolt ist, eine Landesregierung, die München zur Wissenschaftshauptstadt der Republik machen möchte, und eine nicht minder ehrgeizige Hochschulleitung, die kaum einen Konflikt scheut, um aus ihrem Wunschbild einer modernen Universität Wirklichkeit werden zu lassen.

"Vielseitig interessiert und rauflustig" sei der Wolfgang, so steht es in Herrmanns Schulzeugnissen. Und selbst wenn der freundliche Herr im Trachtenjanker auf den ersten Blick harm-los daherkommt: Noch immer bereitet das Streiten dem heute 50-Jährigen Spaß. Wenn er über die "Wagenburgmentalität der Professoren" schimpft, eine "Rechenschaftspflicht der Universität gegenüber der Öffentlichkeit" anmahnt oder die "Universitäten als Zentren der Elitebildung" propagiert.

Die alte Gremienuniversität existiert nicht mehr

Dabei entspringen Herrmanns Vorwürfe und Forderungen nicht klugen Kommissionspapieren, sondern akademischer Praxis. Niemand kann ihm vorwerfen, er betreibe Hochschulpolitik, weil er es als Wissenschaftler nicht weit gebracht hat. Mit 25 Jahren wurde er promoviert, fünf Jahre später kam die Habilschrift, mit 34 Jahren war er Professor. Seine Forschungen haben ihm Gastprofessuren in Frankreich, Japan, den USA und den Niederlanden eingebracht - sowie nahezu alle Auszeichnungen, die man als Chemiker in Deutschland erhalten kann, inklusive des angesehenen Leibniz-Preises der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Wer nach so einer Forscherkarriere ein Universitätsamt übernimmt, muss schon besondere Gründe haben. Schlechte Erfahrungen zum Beispiel.