Ich habe mit Claus gesprochen. Er sagt, zuerst müssen wir den Krieg gewinnen.

Während des Krieges darf man sowas nicht machen, vor allem nicht während eines Krieges gegen die Bolschewisten. Aber dann, wenn wir nach Hause kommen, werden wir mit der braunen Pest aufräumen." So Berthold von Stauffenberg Ende 1941 auf eine Anfrage Helmuth von Moltkes, ob sein Bruder Claus möglicherweise für die Ziele des Widerstands zu gewinnen wäre. Zweieinhalb Jahre später, am 20. Juli 1944, legte derselbe Claus von Stauffenberg die Bombe, die Hitlers Lagebaracke zerriss

der "Führer" selbst kam mit dem Schock und ein paar Schrammen davon.

Wann - so lautet die seither immer wieder gestellte Frage - reifte bei den Männern des 20. Juli der Entschluss, Hitler aus dem Weg zu räumen? Stimmt es, dass die wenigen, die überhaupt Zugang zu Hitler hatten, die letzte Konsequenz viel zu lange hinauszögerten und von der Notwendigkeit des Attentats erst im Moment der unmittelbar bevorstehenden Niederlage überzeugt wurden? Stauffenbergs Alleingang wollten selbst im Nachhinein nicht alle billigen, und ein Mann wie Moltke lehnte den Tyrannenmord aus christlicher Überzeugung stets grundsätzlich ab. Attentat und Attentäter waren jedenfalls heftig umstritten.

Die Attentäter ist ein unglücklicher Titel für ein Buch, das den Anspruch erhebt, die Wurzeln des konservativen Widerstands bloßzulegen. Bezeichnend für das Ausmaß der Wirren, in die Deutschlands Führungsschicht 1933 durch Hitler gestürzt wurde, ist eben auch die Pervertierung der überlieferten Begriffe. Der Untertitel Von der Kollaboration zum Widerstand führt gleichermaßen in die Irre. Hier wird eine Entwicklung suggeriert, die so gar nicht stattgefunden haben kann. Kollaboration fällt unter das Kriegsrecht und meint verräterische Zusammenarbeit mit dem Landesfeind - das Schlimmste, was es in den Augen eines Patrioten gibt. Wie aber kollaboriert man mit der eigenen Regierung, zumal wenn diese legal an die Macht gekommen ist und eine von der Mehrheit bejubelte Politik betreibt? Dass Hitler der Totengräber Deutschlands war, wurde den meisten ja erst spät zur Gewissheit.

Die Sprachverwirrung im Zusammenhang mit dem deutschen Widerstand ist symptomatisch. Patrioten waren die Frauen und Männer, die im Kampf gegen Hitler ihr Leben einsetzten, allemal. Aber wer war 1940/41, auf dem Höhepunkt deutscher Machtentfaltung, ein Patriot? Für die Befreiung vom Joch Hitlers zu kämpfen bedeutete zugleich, die Niederlage Deutschlands in Kauf zu nehmen, urteilte der Historiker Hans Rothfels schon früh. Erst als Hitlers Krieg nicht mehr zu gewinnen war, konnte dieses Dilemma gelöst werden: Mit der Beseitigung Hitlers stieg die Chance, die Niederlage einigermaßen erträglich zu gestalten. Manche Widerständler freilich, Ulrich von Hassell etwa oder Carl Goerdeler, hatten bis in die Stunde des Untergangs hinein ziemlich prächtige Vorstellungen von der künftigen Großmachtrolle Deutschlands.

Sieg oder Niederlage - alle anderen Aspekte wären demnach zweitrangig gewesen? Die Darstellung von Theodore Hamerow konzentriert sich auf den konservativ-bürgerlichen Widerstand in Armee, Verwaltung und Kirche, und in diesen Kreisen galten die Prinzipien der Weimarer Demokratie bekanntlich nicht viel. Der nationale Umschwung, schrieb Ludwig Beck im März 1933, sei "der erste große Lichtblick seit 1918". Die Machtergreifung als "Bruch mit einer korrumpierten Innenpolitik und einer Außenpolitik der Schwäche", die nationale Erhebung als das Ende von Materialismus, Modernismus und Individualismus: Das war die vorherrschende Meinung gerade auch in den Kreisen, denen die Hitler-Bewegung alles in allem zu vulgär war.