Eigentlich wollte Jörg Kachelmann an diesem Abend auf der Insel Hiddensee sein. Dann kamen Termine in Dresden und Bremen dazwischen. Und von Bremen noch der kleine Abstecher zum SPD-Fest in Bonn. Es ist zehn Uhr abends.

Kachelmann steht am Rhein und hat seit 37 Stunden nicht geschlafen. Weil er vor lauter Gesprächen nicht zum Pinkeln kam, lässt er seinen Volvo vor einer Kreuzung in Bad Godesberg stehen und rennt hinter einen Busch. Auf der Fahrt an die Ostsee, kurz hinter Köln, findet Kachelmann, dass er noch schlechter als gewöhnlich aussieht. Ich seh ja sonst schon Scheiße aus.½ Seinen Anblick im Fernsehen erträgt Kachelmann nicht. Vor Schwerin um drei Uhr nachts zittert Jörg Kachelmann ein wenig. Er hält und kotzt. Später am Fähranleger, wo er das Auto stehen lassen muss, spricht er von einem stinkenden, morbiden Stück Leben½.

Morgens um acht erzählt er der Verkäuferin des Spar-Ladens auf Hiddensee von seiner maroden½ Situation. Er habe fast an einen Herzinfarkt½ geglaubt.

Musst du reihern oder brechen, musst du mit dem Fachmann sprechen½, sagt die dicke Verkäuferin. Ausgerechnet heute holt niemand Jörg Kachelmann und seine Koffer ab, um sie zu seiner Wetterstation zu bringen. Nach einer halben Stunde hält zufällig ein kleiner Kühltransporter. Kachelmann und sein Kameramann zwängen sich hinein.

Jörg Kachelmann ist 40 Jahre alt. Vor einem Jahr war er auf dem Weg, ein Fernsehstar zu werden, eine Samstagabend-Legende, Kulenkampffs Nachfolger bei EWG. Kachelmann hat genug Geld, um bequemer zu reisen als in einem kleinen Kühltransporter, der nach Fisch riecht. Warum macht er das? Was ist passiert?

Seine exakte Prognose: Der Blitz schlägt ein.

Die Geschichte, wie Jörg Kachelmann zum Fernsehen kam, beginnt Mitte der achtziger Jahre in Zürich. Er hatte damals sein Geografiestudium abgebrochen.