Zwei Jahre ist es her, dass Joseph P. Kennedy, damals Abgeordneter im Repräsentantenhaus, sich scheiden ließ und anschließend die Ehe annullieren lassen wollte. Der Sohn von Robert Kennedy bewarb sich damals um das Amt des Gouverneurs in Massachusetts und geriet ins Gerede. Sein Vetter John kanzelte ihn öffentlich ab, nannte ihn eine "Ikone des schlechten Benehmens". Newsweek sprach daraufhin vom "Niedergang einer Dynastie".

Das war voreilig. Eigenartigerweise bemerkte das Nachrichtenmagazin nicht, dass die Dynastie gerade wieder auflebte - in anderer Person und in anderer Form. Denn John Kennedy jr., der Sohn des ehemaligen Präsidenten John F., war längst auch zum Politiker geworden. Anders aber, als es sich die traditionell denkenden Redakteure von Newsweek vorstellen konnten. Doch nun steht die Dynastie wohl wirklich vor dem Ende. John jr. starb am Wochenende bei einem Flugzeugabsturz.

Not just politics as usual : George Washington zierte das Titelbild der ersten Ausgabe, genauer: Cindy Crawford als George Washington. Zwar steckte sie wie der amerikanische Quasikönig in einer Paradeuniform des 18. Jahrhunderts, aber in einer, die den Bauchnabel frei ließ. Immer wieder kam der General des Unabhängigkeitskrieges und erste Präsident der Vereinigten Staaten auf den Titel von George . Einmal war sein Kopf einer der Sterne eines hauchdünnen Sternenbanners, das Pamela Anderson einhüllte, die Bademeisterin der Fernsehsoap Bay Watch. In einem anderen Heft trägt ein üppiges Titelmädchen eine Perlenkette, die an jene von Jacqueline Kennedy, Johns Mutter, erinnert, ein Mieder - und den Dreispitz George Washingtons. In wieder einer anderen Ausgabe blickt ein Irischer Setter treu in die Kamera. Auch der Hund trägt Reiteruniform und Dreispitz. So etwas zieht Blicke an am Kiosk, ebenso die nackte Kate Moss als "Eva" (und ausnahmsweise ohne Dreispitz).

Kennedy verband in seiner Zeitschrift Glamour mit Politik und machte damit genau das, worauf sich die Kennedys schon immer bestens verstanden und was später auch Ronald Reagan und Bill Clinton zum Sieg verhalf. Man kommt leichter nach Washington, wenn man die Regeln von Hollywood kennt.

John ließ sich auch selber unbekleidet ablichten, zwar mit viel Schatten, sodass nur Kopf, Brust, Arme und Beine zu sehen waren. Aber immerhin war der Journalist erkennbar nackt. Da hatte Vetter Joseph wohl gar nicht so Unrecht, als er damals zurückhackte und in Anspielung auf die Worte des großen Visionärs John F. Kennedy ("Don't ask what your country can do for you, ask what you can do for your country") meinte: "Frage nicht, was du für deine Cousins tun kannst, frage, was du für deine Zeitschrift tun kannst."

Vielleicht hätte er hinzusetzen wollen: Und was deine Zeitschrift für dich tun kann. Denn prominenter noch als der erste Präsident war der Sohn des 35. Präsidenten vertreten. Nein, nicht als Dreispitz auf dem Busen eines Sternchens. Sondern fast klassisch: Kennedy jr. im Gespräch mit Newt Gingrich, dem radikalen Oppositionsführer (der zusammen mit einem Löwen posieren musste, einem lebendigen), John Kennedy jr. im Gespräch mit Liddy Dole, der ersten Frau mit Chancen auf das Weiße Haus, John Kennedy jr. im Gespräch mit Charles Barkley, dem schwarzen Basketballstar (in weißen Turnschuhen der eigenen Marke und weißer Perücke à la George Washington), John Kennedy jr. im Gespräch mit sich selber.

George bot gewissermaßen die nackte Wahrheit über die Politik. " George gewinnt Leser, aber wenig Respekt", urteilten darauf die Etablierten wie die New York Times . Doch ebendiese Zeitung, die Anstandsdame der amerikanischen Medien, lieferte den Beweis, dass Johns schneller Weg zur Berühmtheit auch der richtige Weg für die heutige Politik war. Maureen Dowd, die bissige Kolumnistin, die immer nur kritisiert und nie lobt, schrieb: "Ich jedenfalls hoffe, dass John Kennedy sich der eigentlichen Aufgabe stellt. Die Demokraten brauchen dringend jemanden, der auch in Jogginghosen gut aussieht."