Eine Show war es, fast wie im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf.

Überlebensgroß flimmerten Szenen aus dem Wirken des Kandidaten über eine Videowand. Kein Geringerer als Johannes Rau pries den Mann im Mittelpunkt.

Auch einfache Menschen aus dem Volk legten Zeugnis für ihren Wohltäter ab.

Es ging aber nur um die Nominierung eines sozialdemokratischen Kandidaten für die schleswig-holsteinische Landtagswahl im Februar 2000. Ort des Geschehens war die Aula der Käthe-Kollwitz-Schule in Kiel. Doch wo der Medienunternehmer Klaus-Dieter Müller antritt, darf es schon mal eine Nummer größer sein.

Müller ist der Mandatsinhaber im Wahlkreis Kiel-Südwest. An diesem Junimittwoch war er der einzige Kandidat, und er rechnete fest mit seiner Nominierung.

Ein wenig musste er sich allenfalls darum sorgen, ob jemand im Saal jene Vorwürfe wiederholte, mit denen man immer wieder versucht hatte, seine Integrität in Zweifel zu ziehen. In seiner Vorstellungsrede ging Müller deshalb in die Offensive: Spekulationen, er habe unsaubere Kreditgeschäfte bei der Sparkasse Kiel getätigt, seien gegenstandslos, sagte er. Persönliche Fehlinvestitionen habe er sich geleistet, die seine Medienfirmen aber nicht belasteten. Ein Unternehmer riskiere, er gewinne, er verliere. Dafür müsse er geradestehen und korrekt bleiben. Müller: "Das kann ich uneingeschränkt für mich in Anspruch nehmen. Noch einmal kann man diese mehrfach totgerittene Sau sicher nicht durchs Dorf treiben."

Der Kandidat irrte. Die Sparkasse Kiel hat monatelang stillgehalten. Jetzt hat sie schließlich Strafanzeige erstattet, weil sie glaubt, im Kreditgeschäft betrogen worden zu sein. Die Anzeige richtet sich namentlich gegen Klaus Conradsen, der zu Müller in enger geschäftlicher Beziehung steht.