Autochefs in Deutschland haben dieser Tage einen anstrengenden Job. BMWs Chef Joachim Milberg spielt Feuerwehrmann bei Rover, DaimlerChrysler-Boss Jürgen Schrempp kämpft mit Folgeproblemen der Megafusion und VW-Vorsteher Ferdinand Piëch muss erklären, weshalb in Wolfsburg freitags die Bänder stillstehen. Da fällt es schon auf, wenn ausgerechnet der Chef des kleinsten deutschen Automobilherstellers regelrecht auf Wolke sieben schwebt. Absatzprobleme?

Abflauende Automobilkonjunktur? Keinerlei Anzeichen hiervon gebe es bei Porsche, sagt Wendelin Wiedeking, nicht in diesem Jahr und auch nicht im nächsten. Die Renner aus Zuffenhausen sind begehrt wie nie. Gerade konnte er im schönen Italien den Boxster S vorstellen, der die "Leistungslücke" zwischen den bärenstarken 911ern und den "normalen" Boxstern schließt. Keine Frage, der Beuteschwabe aus Westfalen fühlt sich auf dem Vorstandssessel in Stuttgart-Zuffenhausen derzeit "sauwohl" (wie man dies auf gut schwäbisch auszudrücken pflegt). Als der promovierte Maschinenbauer und Produktionsexperte Ende 1992 zur Nummer eins bei Porsche aufrückte, galt er manchem noch als "Notlösung". Die Traditionsfirma steckte in der Krise: veraltete Modelle und Produktionsstrukturen, chronisch uneinige Großaktionäre aus den Familien Porsche und Piëch, finanziell angeschlagen, potenzieller Übernahmekandidat.

Wiedeking, damals gerade 39, strukturierte mutig um, holte japanische Berater und baute radikal Personal ab, wobei er beim Überbau anfing. Allesamt Tabubrüche. Doch sein riskantes Konzept ging auf, auch bei der Modellplanung.

Ein grundüberholter Dauerbrenner 911 und ein gelungener kleiner Porsche, der Boxster, machten die Rosskur zum Erfolgsstück. Und der 46-Jährige mit dem jungenhaften Gesicht sieht Porsche auch für die Zukunft gerüstet. Die extrem schlanke Fertigung (Wiedeking: "japanischer als die Japaner") bindet wenig Kapital, und sein Konzept der "virtuellen Fabrik" sei ein guter Schutz vor künftigen (unwahrscheinlichen) Krisen. "Virtuell" heißt, dass Porsche den Überhang an Boxster-Nachfrage vom finnischen Partner Valmet montieren lässt.

Das erspart Investitionen - und bei Flaute Entlassungen. Dasselbe plant Wiedeking mit dem Geländewagen E 1. Porsche-Ingenieure haben die Plattform oder "Crashstruktur" (wie Wiedeking lieber sagt) des Gemeinschaftsprojektes mit VW federführend entwickelt, die Produktion macht dann Partner VW "im Lohnauftrag".

Nicht nur in der Produktionsphilosophie zeigt sich Wiedeking eigenwillig. Er hat auch einen Brief an den EU-Wettbewerbskommissar geschrieben, in dem er diesen auffordert, jedwede Subvention für die reife Autoindustrie zu stoppen.

Gemeint war zuletzt BMW, getroffen wurde die ganze Branche, auch VW-Chef Piëch, der munter mitkassierte. An den Gunstentzug seines Aufsichtsrats Piëch glaubt der standhafte Westfale trotz seiner Spitzen nicht: "Wir respektieren uns gegenseitig." Sein Motto für Porsche (und sich) lautet schließlich: "Nicht der Schnellste oder der Größte wird überleben, sondern der Geschickteste."