DIE ZEIT: Sie haben in der vergangenen Legislaturperiode als Berater der SPD-Fraktion erfolglos an einem Gesetzesentwurf mitgewirkt, der Großvereine wie den ADAC zwingen sollte, sich in Kapitalgesellschaften umzuwandeln. Warum soll der ADAC nicht länger Verein bleiben?

MICHAEL ADAMS: Weil er zwar Millionen und Milliarden einnimmt, aber als Verein nicht nachweisen muss, was mit dem Geld geschieht. Das Vereinsrecht ist da sehr liberal. Deshalb ist die Versuchung für Führungsleute, hier und da mal ein paar Millionen für sich abzuzweigen, unmenschlich groß.

ADAMS: Grundsätzlich geht so etwas, wie in jedem deutschen Verein. Der Zugriff auf die Vermögenwerte eines Vereins ist mangels Kontrolle fast uneingeschränkt möglich. Das haben Skandale wie die beim Roten Kreuz, bei Care Deutschland und diversen Tierschutzvereinen deutlich gezeigt. Eine Aktiengesellschaft dagegen muss ihre Bilanzen offen legen. Da kann nicht so viel gemauschelt werden.

ZEIT: Warum sollten sich im ADAC die Leute durchsetzen, die den Vereinsstatus aufgeben wollen?

ADAMS: Der ADAC gerät durch die Versicherungswirtschaft zunehmend unter Druck. Schutzbriefe gibt es bei den Versicherern oft billiger; dafür muss man nicht erst in den Club eintreten. Und den "gelben Engeln" machen private Abschleppdienste Konkurrenz. Um da standhalten zu können, muss sich der ADAC verändern. Einen derartigen Großkonzern professionell zu führen, das geht nicht in überkommenen Vereinsstrukturen, wo man nur dann etwas bewegen kann, wenn man die Mehrheit der Gaue hinter sich hat, die wiederum Sonderinteressen im Auge haben.

ZEIT: ADAC-Führungsmitglieder fürchten, dass der Verein sich bei einer Umwandlung in eine AG die Sympathien vieler Bürger verscherzen würde ...

ADAMS: Dem Image des Clubs würde es sicher nicht besonders gut tun. Viele Deutsche vertrauen Vereinen wie dem ADAC mehr als Parteien und Institutionen. Verein, das steht immer noch für Ehrenamtlichkeit und Gutmenschentum. Ein Wirtschaftskonzern dagegen, so glaubt man, orientiert sich nach Art eines "niederen Instinkts" nur am Gewinn. Deswegen ist eine ADAC-AG eine zweischneidige Sache.