Ein deutsch-italienisches Mafia- und Familienepos, das in den fünfziger Jahren spielt, als Sizilien noch bitterarm, doch der Sinn für Autos und Aufbruch in seiner Jugend schon erwacht war - das ist Solange es Liebe gibt mit der reizenden Anja Kling in der Hauptrolle. Mafia? Fünfziger Jahre? Ist dieses Feld nicht langsam abgeweidet? Locken die Burschen mit Pullunder und Schiebermütze und die Schönheiten mit Wespentaille und Glockenrock noch 'ne Kartoffel hinterm Sofa hervor?

Und ob. Sizilien und die Mafia, sie bleiben sich so ziemlich gleich. Aber die Mittel des Fernsehens wandeln und vervielfältigen sich. Der glutvolle Blick des Barons, das stolze Lächeln der jungen Mutter - sie sahen vor fünfzig und hundert Jahren schon genauso aus. Doch die Perspektiven der Kamera auf die Gesichter, der Rhythmus der Bildfolgen, das Licht, der Schnitt - da gibt es immer wieder neue Erfindungen und Kombinationen. Der Inhalt seiner Sagas ist die konservative Seele des epischen Fernsehens. Die Form macht, im gelungenen Fall, sein umstürzlerisches Temperament aus.

Sicher, so ganz kommen die Ränke der Cosa Nostra und das Schicksal des gerechten Barons und seiner deutschen Frau nicht zueinander; die Liebesgeschichte zwischen der Baronin und dem römischen Polizisten bleibt fleischlos. Aber dafür entwickelt die Nebenhandlung um einen jungen Mafia-Spross mit Hang zum Guten echtes Erschütterungspotenzial. Und was die Musik betrifft, so ist man zwar nicht immer einverstanden, aber froh, dass überhaupt mal was riskiert wird.

Wahrscheinlich bieten gerade ein so häufig variiertes Thema wie die Mafia, ein so gern gewählter Schauplatz wie Sizilien und eine für Filme so beliebte Epoche wie die fünfziger Jahre die beste Herausforderung für einen Filmemacher - jetzt bleibt nur noch die Form, um etwas Neues auszuprobieren. Und auf sie kommt es immer an.