Nur Verschwendung bringt Prestige." Prestige muss der Mensch haben, will er Erfolg. Denn Prestige bringt Anerkennung. Anerkennung braucht der Mensch, um vorwärts zu kommen. Vorwärts kommen heißt besser sein als der Nachbar, Kollege oder Verwandte - das will ein jeder. Die Folge: Die moderne Gesellschaft ist eine Gesellschaft der Verschwendung.

Der dies schrieb, kümmerte sich selbst wenig um die Anerkennung der Gesellschaft: Thorstein Bunde Veblen (1857 bis 1929), als Sohn norwegischer Einwanderer in einem Dorf im US-amerikanischen Bundesstaat Wisconsin geboren, Philosoph, Soziologe und Wirtschaftswissenschaftler, war zeitweise so enttäuscht von der Welt, dass er sich völlig aus ihr zurückzog - etwa nach Abschluss seiner Promotion an der renommierten Yale-Universität, als er sieben Jahre lang nichts von sich hören ließ.

Weil es aber keinen Spaß macht, die Millionen im Keller zu horten, wo sie niemand sieht, stellt der Mensch seinen Reichtum zur Schau: Er "verschwendet" sein Geld für Dinge, die er gar nicht braucht. Veblen unterscheidet zwei Arten der Verschwendung: die von Zeit und Material und die von Muße und Konsum.

In längst vergangenen Gesellschaften - bei den Sklavenhaltern im alten Rom oder den Feudalherren im Mittelalter - tun reiche Leute demonstrativ nichts. Wer es sich leisten kann, lässt auch noch andere für sich nichts tun: Ehefrauen, Sklaven, Bedienstete. Veblen nennt das "stellvertretende Muße" im Dienste eines Höheren. Das krasseste Beispiel: die Kaste der Priester. In die Kategorie "demonstrative Verschwendung" ordnet Veblen auch gute Manieren und hohe Bildung ein, denn die Aneignung von beidem kostet Zeit und habe keinen wirklichen Nutzen.

Um zu verdeutlichen, dass Ehefrauen und Bedienstete nichts tun können, werden sie möglichst unzweckmäßig gekleidet. Diener müssen Livree tragen, Frauen zwängen sich in ein Korsett, und der "Grund dafür, daß sich der Rock einer so hartnäckigen Zuneigung erfreut, besteht darin, daß er nicht nur teuer ist, sondern außerdem seine Trägerin für alle nützliche Betätigung unfähig macht".

In der entwickelten Industriegesellschaft verliert die Muße als Demonstration von Macht und Erfolg an Bedeutung - zugunsten des Konsums. Denn wenn Maschinen den Menschen die Arbeit abnehmen und die Einkommen pro Kopf steigen, können es sich immer mehr Menschen leisten, nichts zu tun. Jetzt wird gekauft, was teuer ist. Damit stellt Veblen die gängige Theorie auf den Kopf: Die Nachfrage nach solchen Konsumgütern steigt mit dem Preis.

Aus der Verschwendungssucht entstehen Wirtschaftszweige, und schließlich gibt es kein einziges Gut mehr, das nicht der Demonstration von Reichtum und Macht dient. Der Hang zur Vergeudung zieht sich durch alle Klassen: Die höchste, reichste Klasse - eben die "feinen Leute" - setzt das Ideal, an denen sich alle anderen Klassen entsprechend ihren Möglichkeiten orientieren.