Er nahm sie bei der Hand, er führte sie zu ihrem Stuhl zurück und war schon mitten in seiner Liebeserklärung, bevor sie noch recht begriff, warum er sie zurückgehalten hatte."

Nicht nur mein Herz, auch das Badewasser gerät in Wallung. Ich rutsche tiefer in die Wanne und halte das Buch in trockener Höhe über der Brandung. Würde Fanny Price den schneidigen Henry Crawford erhören? Konnte sie dem Reumütigen nicht doch noch eine Chance geben? Mit tropfenden Fingern blättere ich um.

Meine Seufzer drücken Höhlen ins Schaumgebirge. Die gute alte Fanny. Will sie Crawford wirklich einen Korb geben, nur weil sie mehr für ihren Cousin, einen hausbackenen Jungprediger, schwärmt? Hat Crawford ihr nicht mehr zu bieten als dieser Warmduscher, der nur auf seine Pfründe wartet?

Wie soll man bei dem Lärm lesen?

Das Buch in der einen Hand, greife ich mit der anderen nach dem Edelstahlhebel an der Wand, um eine warme Strömung unter meine Beine zu leiten. Die Vorratsflasche Babyöl klatscht auf das Wasser. Das Antischuppenshampoo stolpert hinterher und reißt den Windelstapel mit. Die Flaschen treiben in meiner Badewanne wie Müll in einem Hafenbecken. Ich wische die Tropfen von Henry Crawfords Liebesschwur.

Die Windeln beginnen zu sinken, als Sir Thomas, Fannys Onkel, den Raum betritt. Sie aber flüchtet sich ins Ostzimmer, "wo sie in der äußersten Verwirrung widerstrebender Gefühle unruhig umherwanderte. Fanny bebte am ganzen Körper, während sie ihre Gedanken ..." Boing. Ein dumpfer Schlag erschüttert die Badezimmertür. Boing, boing, boing. Das klingt nach meinem Sohn und seiner Planierraupe. "Kannst du aufmachen?", höre ich meinen Mann gegen den Türrahmen sprechen. "Samuel braucht seinen Abschleppwagen." - "Und ich brauche meine Ruhe." - "Guck doch mal auf der Heizung!" Neben der Badewanne parken Matchbox-Autos zwischen den Rippen des Heizkörpers. Am Thermostat hängt die Schöpfkelle aus der Küche, mit der wir die Autos Tag für Tag aus der Toilette bergen. "Muss das denn jetzt sein?" - "Du hörst doch, was hier los ist." Die Stimme im Flur brüllt gegen Samuels Geschrei an. Ich lege den Roman auf den Wannenrand und patsche zur Tür. "Mama nackt!", ruft Samuel, stürzt an mir vorbei und schmeißt Klopapierfetzen ins Badewasser. Sein Vater hat sich über das Waschbecken gebeugt. Mit dem Gesicht hängt er vor der Stelle, die er mit meinem (ja, meinem!) Handtuch frei gewischt hat, um an einem Mitesser herumzuquetschen.

Sollten wir mal zu Geld kommen, lasse ich mir ein Badezimmer ganz für mich allein einrichten. Ein verkehrsberuhigter Raum mit absolutem Verbot für Matchbox-Autos. Mit einer Wanne, an deren Rand zartrosa Muscheln wie angeschwemmt liegen. Mit einem Korbsessel, über den sich die Seide eines Morgenmantels ergießt. Da wäre kein Platz für Windsalbe gegen Säuglingsblähungen und für alte Stilleinlagen, für Hornhautraspeln und gelb-speckige Bimssteine. Kein Windeleimer dürfte vor sich hin dünsten, keine Bartstoppeln in meinem Waschbecken kleben.