Der Kinofilm Aimeé und Jaguar hat 1,5 Millionen Mark gekostet - ausgegeben für die Schauspieler, die Kameraleute, die Ausstattung, den Catering-Service und nicht zuletzt das Finanzamt. Und der Einzige, der genau weiß, wo das Geld geblieben ist, ist der Filmgeschäftsführer. Er erledigt die Arbeit, die hinter solch einer Summe steht, damit die Rechnung stimmt. Innerhalb weniger Wochen müssen tausend und mehr Belege sorgsam verbucht, Löhne und Gehälter verwaltet und die Abgaben an die Sozialversicherung geregelt werden. Die Kosten werden immer wieder hochgerechnet und in einem Kostenstand erfasst, damit das Budget reicht. Gewinn und Verlust bei der Filmproduktion hängen also wesentlich vom Kalkül des Filmgeschäftsführers ab. Trotzdem gibt es für diesen Beruf bislang keine staatlich anerkannte Ausbildung. Gelehrt wird er nur in einer privaten, staatlich geförderten Weiterbildung, die das Kölner mibeg-Institut im August vergangenen Jahres eingerichtet hat. Seit Juli gibt es die erste Generation von 20 Absolventen.

Ein Beruf mit Zukunft, denn die Branche boomt

Die Zugangsvoraussetzungen für das mibeg-Institut sind relativ offen. Gefragt ist vor allem Spaß an Zahlen und eine Affinität zur Branche. Ein abgeschlossenes Hochschulstudium, am besten BWL, oder eine kaufmännische Ausbildung und solide buchhalterische Kenntnisse gelten zwar als gute Grundlage, aber längst nicht jeder der mibeg-Absolventen entspricht diesen Kriterien.

Mareile Thies zum Beispiel traf nach einem abgebrochenen Germanistikstudium erstmals in der Weiterbildung auf Saldi und Bilanzen. Die Prüfung schloss die 34-Jährige jedoch als Beste ab. Nun steht sie allerdings vor der Schwierigkeit, einen Arbeitsplatz zu finden. Ihr hervorragendes Zeugnis vom Institut nützt ihr dabei nicht viel, denn Urkunden und Leistungsnachweise zählen in der Branche weitaus weniger als Kompetenz aus Erfahrung.

Die etablierte Filmgeschäftsführerin Antje Paul weiß, warum: "Ein Jahr Ausbildung ist für diesen Job definitiv zu kurz. Selbst ein ausgebildeter Buchhalter ist in dem Beruf überfordert, weil alles so rasend schnell geht. Jeder Fehler kann den Produzenten teuer zu stehen kommen." Antje Paul arbeitet seit fünf Jahren in dem Metier. Vorher war sie Buchhalterin. Mittlerweile hat sie als Selbstständige die Geschäftsführung derart erfolgreicher Kinofilme wie Aimée und Jaguar, PolaX und Meschugge abgewickelt. Einblick in die Branche bekam sie anfangs als Assistentin eines Filmgeschäftsführers.

Demnach würde also auch den mibeg-Absolventen allenfalls ein weiteres einjähriges Praktikum oder eine Assistenz den Weg in die Berufswelt bahnen. "Es gibt aber nur wenige Produzenten, die sich zusätzlich zu einem Filmgeschäftsführer auch noch einen Assistenten leisten", klagt Mareile Thies. Dennoch will sie sich um ein weiteres Praktikum bemühen, möglicherweise auch als Produktionsassistentin. Der Bundesverband der Produzenten schätzt die Zahl der freien Filmgeschäftsführer in Deutschland auf höchstens 60. Festangestellte sind zahlenmäßig kaum zu erfassen, weil die Aufgaben in größeren Produktionsfirmen oftmals anders verteilt sind. Buchhalter, Kalkulatoren und Debitoren erledigen dort die Arbeit, die ein freier Filmgeschäftsführer allein macht. So viel ist aber sicher: Der Bedarf der Branche wächst. Denn seit dem Aufkommen der privaten Fernsehsender werden mehr Filme produziert denn je; außerdem müssen Produktionsfirmen, um kreditwürdig zu sein, sich immer häufiger Betriebsprüfungen unterziehen. Dafür aber ist kompetentes und erfahrenes Personal unabdingbar. Entsprechend liegt auch das Honorar fähiger Filmgeschäftsführer über dem Tarif, der 1741 Mark Wochengage vorschreibt.

Wer sich weiterbildet, kann Aufnahmeleiter werden