Die Kulissen sind abgebaut, die Zäune rund um das Virchow-Klinikum der Berliner Charité verschwunden, das Intensivbett ist leer. Tagelang haben Reporter die Klinik belagert, hat die Boulevardpresse den "Ebola-Alarm" zelebriert. Das exotische Virus ist spätestens seit dem Hollywood-Schocker Outbreak zu einer Ikone des Schreckens geworden. Doch die richtige Diagnose des Berliner Patienten lautete schließlich nicht Ebola, sondern Gelbfieber. Den von den Medien beschworenen Seuchenzug hätte es so oder so nicht gegeben.

Was bleibt, ist eine persönliche Tragödie: Der 40-jährige Kameramann Olaf Ullmann war offenbar ohne die lebensrettende Impfung in das Gelbfiebergebiet an der Elfenbeinküste gereist. Dort wurde er von einem besonders aggressiven Erreger infiziert. Acht von zehn Erkrankten sterben, eine Therapie gegen das Virus gibt es nicht.

Inzwischen läuft die letzte Phase der Berichterstattung: die Suche nach Schuldigen. Klagen werden laut über die angeblich desolate Lage der Tropenmedizin in Deutschland: Die Diagnose sei zu spät erfolgt, es fehle den Ärzten an Fachwissen und technischer Ausstattung.

Vielleicht hätte eine schnelle Eingreiftruppe, wie sie jetzt der Hamburger Tropenmediziner Manfred Dietrich nach US-Vorbild fordert, die Suche nach den Erregern besser koordinieren können. Doch mit dem Hinweis auf seinen vermeintlichen Impfschutz hatte der Patient selbst die Ärzte auf die falsche Spur geführt. Auch eine Task-Force wäre so vermutlich in die Irre geleitet worden.

Wichtiger als eine Elitetruppe gegen Epidemien wäre es, die niedergelassenen Ärzte in Deutschland besser aus- und fortzubilden. Obwohl immer mehr Deutsche in ferne Länder reisen, führt die Tropenmedizin im Studium ein Schattendasein.

Und die wirklichen Seuchen heißen eben nicht Ebola, Lassa oder Krim-Kongo, sondern Malaria und Aids; sie töten Millionen von Menschen - vor allem in Afrika. Hier fehlt, allen Anstrengungen der Weltgesundheitsorganisation zum Trotz, das Geld. Das langsame Sterben findet lautlos statt - ein Tod ohne exotische Schauer. Das ist hierzulande keine Schlagzeile wert.