Plüschige, pinkfarbene Kissen hängen zapfenförmig an Decken und Wänden und verwandeln den Eingangsbereich in einen himmlischen Aufenthalt, irgendwo zwischen Vulva und Wolke. Die Traumhöhle von Katja Kloft macht auf den ersten Blick deutlich: Wer den Aufgang der Düsseldorfer Kunsthalle passiert, der betritt den siebten Himmel der Kunst. "An exhibition that will break your heart" - mit diesem forschen Slogan, natürlich auf Englisch, wirbt die Ausstellung für sich. Und kündigt an, worum es in dieser Schau geht: ums Religiöse ebenso wie um Vermarktung.

Dass es die Mechanismen des Ökonomischen sind, die dafür sorgen, dass sich Religion, Kultur und Kunst immer mehr annähern, behauptet schwungvoll die Ausstellungsmacherin Doreet LeVitte Harten. Ein recht hoch gehängter Aufhänger: "Wenn Kunst einst religiös war, so erkennen wir an dieser Stelle, dass es gegen Ende des Jahrtausends die Religion ist, die zum Kunstwerk wird."

Ja, und dann kommt auch noch die Kunst, und mit ihr kommen die Künstler, die sich reichlich bedienen bei den Formeln dieser religiösen Verklärung und deren Möglichkeiten aufsaugen wie den Messwein. 36 Künstler bemühen sich in diesem Sinne, viele haben Arbeiten extra für diesen Anlass geschaffen. Vom Himmel bis zur Hölle, von den paradiesischen Ekstasen bis zu den Torturen der Askese - die Ausstellung versammelt so ziemlich alles an Kunst und noch dazu einiges an Kunsthandwerk, was sich im Feld des Religiösen anbietet. Doch leider wirkt dabei nur weniges so sicher wie das gute alte Amen in der Kirche

Der Düsseldorfer "Stairway to Heaven" ist natürlich auch gesäumt von so manchem echten Star und dem dazugehörigen Glanz: Michael Jackson und Elvis Presley, Marilyn Monroe, Madonna und Kate Moss - all die modernen Ikonen passieren Revue in den Werken von Jeff Koons, Haim Stainbach, Olga Tobreluts: als lebensgroße Porzellanfigur in barocker Manier oder einfach nur als billige Porzellantasse, als dokumentarisches Fotomotiv und als Surrogat in Schweißtuchformat.

Auch die Mode mitsamt den dazugehörigen Models kommt natürlich vor, mit Thierry Mugler wird hierzu ein "echter" Modeschöpfer bemüht. Es ist nämlich gerade die Mode, die - so eine These der Ausstellung - an der perfekten Erscheinung des Menschen arbeitet und sich, flankiert von Schönheitskult und Schlankheitswahn, dem Traum von körperlicher Vollendung nähert, die in Wahrheit ein Surrogat religiöser Erfüllung ist.

Alles nur bunt und barock, opulent und frivol

Während Orlan mit ihren Operationen schockt, frohlockt Mariko Mori flossenwedelnd und zur perfekten Badenixe stilisiert in einer wandfüllenden Fotografie, die in einem dieser künstlichen Paradiese aufgenommen ist. Gleich gegenüber rufen Jake & Dinos Chapman mit ihren Hommagen an Goyas Schrecken des Krieges den arkadischen Himmel als Gegenort zur grausamen Hölle wach. Und am Rande der Ausstellung ist Shirin Neshat mit ihrer dramaturgisch perfekt inszenierten Video-Installation Turbulent zu sehen. Eine Arbeit, die das Religiöse explizit zum Thema hat, weil in ihr - mit Blick auf das Geschlechterverhältnis - die Strukturen einer religiös geprägten, nämlich islamischen Gesellschaft untersucht werden. Nicht zuletzt wegen ihrer formalen Reduktion fällt sie positiv aus dem Rahmen der überbordenden Ausstellung.