Derlei Sorgen drücken nicht viele Unternehmen: Wohin mit dem Geld, war die Frage, nachdem Telekom-Chef Ron Sommer mit dem zweiten Börsengang jüngst richtig Kasse gemacht hat. So recht konnte er den Geldsegen nicht genießen. Die geplatzte Fusion mit der Telecom Italia wurde ihm schwer angelastet. Von Tag zu Tag jagte ein Gerücht das nächste. Denn klar war: Der mächtigste Fernmelder Europas muss unbedingt international expandieren, weil ihm der rigorose Wettbewerb auf seinem Heimmarkt zusetzt. Wen aber würde er schlucken, um den vielen Worten vom Global Player auch Taten folgen zu lassen?

Ende vergangener Woche konnte Sommer die wildesten Spekulationen - erst einmal - beenden: Er übernimmt One2One, den viertgrößten Mobilfunkbetreiber in Großbritannien, für die stolze Summe von rund 20 Milliarden Mark. Damit reicht Sommer fast den gesamten Börsenerlös gleich weiter: an die jetzigen Eigentümer, den britischen Telekommunikationskonzern Cable & Wireless sowie den amerikanischen Kabelnetzbetreiber MediaOne. Die beiden Konzerne trennen sich von ihrer Tochter, weil sie für ihre eigenen Expansionsstrategien in anderen Geschäftsfeldern neues Kapital brauchen.

Keine Frage: Der Mobilfunker ist erfolgreich. Gleichwohl mutet der Kauf- preis ziemlich hoch an; ein Schnäppchen ist das Unternehmen jedenfalls nicht. Prompt meldeten sich die ersten Aktio- näre zu Wort. "Es muss sich erst noch zeigen, ob die Riesensumme berechtigt ist", kommentierte zum Beispiel Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, den Deal. Auch Anneliese Hike, stellvertretende Vorsitzende der Schutzgemeinschaft für Kleinaktionäre, gibt sich skeptisch. Sommer habe unbedingt eine Erfolgsmeldung gebraucht.

Torschlusspanik also bei dem ambitionierten Topmanager? Der Verdacht liegt zwar nahe. Allerdings scheinen die Skeptiker eines zu verkennen: der Mobilfunk gilt als Wachstumsmarkt schlechthin. Und One2One hat den Ruf, eines der innovativsten Unternehmen der Branche zu sein. Gleichwohl ist es auf dem umkämpften britischen Markt hinter Vodafone, BT Cellnet und Orange der kleinste Anbieter (2,65 Millionen Kunden). Es unterscheidet sich von seinen Rivalen vor allem durch seine aggressive Preispolitik. Die Folge: glänzende Wachstumsraten, aber auch ro- te Zahlen. Das vergangene Geschäftsjahr wurde mit einem saftigen Minus abgeschlossen - und einem hohen Schuldenberg. Auch den übernimmt die Telekom.

Für Mobilfunkfirmen sind glänzende Preise zu erzielen

Sommer setzt vor allem auf die künftige Entwicklung. Marktforscher beschreiben die Chancen des gesamten Marktes geradezu euphorisch. So glaubt beispielsweise Mathias Plica, Chef der Plica Marktforschungs Analyse, dass der Mobilfunk im Bereich der Sprachkommunikation sowie der einfachen Datendienste das Festnetz sogar ersetzen wird.

Während im Festnetz sowohl die Zahl der Anschlüsse als auch die Umsätze stagnieren würden, verdreifache sich die Teilnehmerzahl im Mobilfunk bis zum Jahre 2005, prophezeit Plica für den deutschen Markt. Ähnlich gute Perspektiven werden für alle anderen Länder Europas gesehen. Briten benutzen schon heute mehr Handys als Deutsche (siehe Grafik).