Das Hoch ist trügerisch. Die Opposition erscheint stark, weil die Regierung trudelt. Aber die Unionsparteien machen sich nicht ehrlich.

Weder Wolfgang Schäuble noch Edmund Stoiber dementieren, dass sie grundsätzlich für richtig halten, wohin der Kanzler und sein Finanzminister mit ihrer Spar- und Steuerpolitik zielen. Ihr Lamento handelt im Kern nur von der atemberaubenden Schnelligkeit, mit der die SPD "verbrennt, was sie gestern, vorgestern angebetet hat" (Stoiber).

Es ist ein rechtes Unglück, wie sich die Frage nach der richtigen Strategie und nach dem besten Kanzlerkandidaten der Union verquicken. Der CSU-Chef offeriert sich, wie üblich in Bayern, als überzeugter Anwalt der kleinen Leute. Der CDU-Chef wählt die gröbsten Vokabeln, um Schröders Kurs zu verdammen ("beschissen", "angelogen", "betrogen"). Gerade weil er gewöhnlich Stil hat, stolpert man über solche Stillosigkeit. Sie lenkt erst recht den Blick darauf, dass Schäuble "Modernisierung" in Sachen Haushalt, Steuern und Renten lange Zeit ähnlich zu übersetzen versuchte wie jetzt Gerhard Schröder. Könnte es sein, dass Stoiber, von dem er sich in die Ecke der Billig-Opposition treiben lässt, genau dies sieht und am Ende den Kandidaten Schäuble erfolgreich demontiert haben wird? Der Bayer hat ja offen angekündigt, bei der Auswahl des Besten mitreden zu wollen. Gesagt, getan. Es eilt, die Finanzaffäre wirft ihn ohnehin um eine Nasenlänge zurück.

Ein klares Nein zum bloßen Nein hört man plötzlich, zum Glück, vom Dritten im Bunde. Volker Rühe empfiehlt eine große Koalition der Modernisierer zu schließen. Nun ist das kein Allheilmittel. Und es gibt auch nicht nur die eine Modernisierung, den einen, alternativlosen Weg der sozialökonomischen Vernunft. Aber mit seinem Ansatz hat Rühe dennoch Recht - er fragt nach der richtigen Politik. Sie wird auch nicht dadurch falsch, dass die Regierung sie macht oder weil der alte Fuchs Rühe gewiss Hintergedanken bei seiner Einmischung hat.