ADRIAN THAWS, besser bekannt als Tricky, muss in letzter Zeit sehr einsam gewesen sein. Er ist ein Musiker, dessen schwermütige TripHop-Balladen Talk To Me heißen, Sprich mit mir½ oder Analyze Me, Analysiere mich½ ein Rapper, der Plattenfirmen hasst und Journalisten verprügelt. Nun hat der begeisterte Leser von Gangstergeschichten seine Heimatstadt Bristol verlassen und ist nach New York ausgewandert. Ob es ihm dort besser geht? Offensichtlich: Auf Partys spielt Tricky plötzlich die Platten der penetrant gut gelaunten Spice Girls. Und Juxtapose, das neue Album des 35-Jährigen, klingt wieder so intensiv, eigenwillig und selbstbewusst wie Maxinquaye, sein viel gelobtes Debüt von 1995. I Like Girls heißt ein Song da ganz schlicht, oder sinnlos-albern Bom Bom Diggy. Da hören wir das exotische Zirpen einer Sitar, akustische Gitarrenläufe perlen sommerlich leicht, und unsere Füße wippen im Takt der bekifft-sinnlichen Beats. Manchmal quasselt der Co-Rapper Maddog wie jemand, der sich die Nase zuhält, oder Kioka Williams singt so samtig und lasziv wie einst Martina, Trickys ehemalige Muse.

Dabei ist Tricky kein anderer Mensch geworden. Noch immer nuschelt er mit heiserer Stimme Texte voller Sarkasmus und Ironie. Doch er flüchtet nicht mehr, sondern stellt sich der Wirklichkeit: It's not real!½, ruft er gleich im ersten Stück allen Musikern zu, die sich vom Glamour des Showgeschäfts zu sehr blenden lassen - nichts ist dort Wirklichkeit. Den Kollegen hat Tricky vor allem eines voraus. Er weiß ganz genau: Hell is just around the corner½, die Hölle ist gleich um die Ecke.

Tricky: Juxtapose½ (Island/Mercury)