Referate zu halten ist schon in der Schule eher eine peinliche Angelegenheit. Entweder die Klassenkameraden haben etwas zu grölen, wenn man über das Kabel vom Overheadprojektor fällt, oder sie schlummern gelangweilt ein. Nach der Schule heißen Referate zwar oft Vorträge und Präsentationen - an der Grundstruktur ändert sich aber leider nichts: nur Feinde und Neider im Auditorium, die den Redner mit fiesen Zwischenfragen aufs Glatteis führen wollen.

Ganz falsche Einstellung, sagt Martin Kuhlmann, Trainer für Rhetorik und Kommunikation. Gelungene Vorträge begännen im Kopf - mit der "mentalen Vorbereitung". Er rät, eine Präsentation nicht als Prüfung, sondern als Chance zu begreifen und Fragen von Bedenkenträgern als "Hilfsmittel" zu sehen, um die Kluft zwischen Redner und Hörern zu überbrücken.

Wenn im Kopf erst mal alles klar ist, verrät der Autor Kniffe für eine effektive Vorbereitung. Sogenanntes Mind-Mapping hilft bei der Stoffsammlung, in Treppenform geschriebene Stichwörter machen den Spickzettel übersichtlicher, und Gähnen ölt die Stimme. Und je nachdem, ob noch 24 Stunden oder zwei Wochen bis zum Tag der Rede bleiben, gibt's detaillierte Stundenpläne, wie lang man sich mit Recherche, Folienmalen und Sprechtraining aufhalten darf.

Über die vielen kleinen Anregungen freut sich jeder, der sich beim Zuhören schon einmal zu Tode gelangweilt hat und es selbst besser machen will: den Text bereits am Schreibtisch laut formulieren, im Vortrag frei sprechen und nicht ablesen, für andere reden und nicht fürs eigene Ego.

Für Perfektionisten ist das Kapitel Formulieren des Vortrags ein Schmankerl. In Anlehnung an Deutsch für Profis von Sprachästhet Wolf Schneider nennt Kuhlmann zehn Regeln, mit denen man stinklangweiliges und verschachteltes Fachchinesisch vermeiden kann: kurze Sätze, Verben an den Anfang stellen und keine Fremdwörter oder Abkürzungen benutzen.

In einigen Passagen beherzigt der Autor seine eigenen Tipps allerdings selbst nicht: zu viele Anglizismen und zu viele Abkürzungen vergrätzen den lernbegierigen Leser. Der vermisst auch am Ende des Buches eine Zusammenfassung, die Kuhlmann zuvor für einen guten Vortrag durchaus empfohlen hat. Dort, auf den letzten zwei Seiten, geht es ganz unvermittelt um "Rhetoriktraining", und das lässt sich - wie wir erfahren - aus einem Buch gar nicht richtig lernen.

Martin Kuhlmann: Last Minute Programm für Vortrag und Präsentation Campus Verlag, Frankfurt am Main 1999 193 S., 29, 80 DM