Was? Sie fahren nicht nach Mallorca, die Insel kann Ihnen gestohlen bleiben? Na, das sind ja ganz verquere Ansichten. Leiden Sie etwa an fortschreitendem Individualismus und bevorzugen daher Orte, an denen der Deutsche ausnahmsweise mal nicht in Rudeln auftritt?

Auch recht. Wie wäre es dann mit Dänemark, wo sie in diesem Jahr besonders händeringend auf uns warten, weil sonst die vielen teuren Ferienhäuser leer stehen? Mit Schweden, Norwegen, Finnland, vorausgesetzt, das Fährschiff kommt heil drüben an? Oder aber mit der Schweiz, einem Land, das unter Normalverdienern zwar als kostspielig verschrieen ist, in dem man wider Erwarten aber doch den einen oder anderen Franken sparen kann.

Vorausgesetzt, man fährt in "das andere Engadin", eine Gegend, in der sich Orte mit so komplizierten Namen wie Zuoz, S-chanf, Madulain, La Punt-Chamues-ch und Cinuos-chel verbergen. Nie gehört? Keine Sorge, das wird sich ändern. Denn dieses Reiseziel könnte zum Paradies für den Pfennigfuchser avancieren, dank einer Aktion, die sich kurz und trocken Sonnentage 1999 nennt, was im Klartext nichts anderes bedeutet als: bei Regen Geld zurück.

Regen also, sonst am Urlaubsort eher ungern gesehen, wird hier zum heilenden Element für die gestresste Reisekasse. Sie stehen, sagen wir, in Cinuos-chel ohne Schirm in der Fußgängerzone und werden vom Wolkenbruch überrascht. Schleunigst zurück ins Hotel, nassen Mantel als Beweisstück auf den Tresen, schon ist die nächste Nacht gratis. So einfach ist das?

Nein, nicht ganz. Nur für einen Guss, der mindestens 30 Minuten anhält, und zwar nonstop, winkt die Heia zum Nulltarif. Die portemonnaieschonende Wetterlage zu beurteilen darf sich außerdem nicht der Hotelgast selbst anmaßen, sondern die eigens zu diesem Zweck eingesetzte "neutrale Jury".

Ein Procedere, für das man durchaus Verständnis aufbringt, schließlich hat selbst der Schweizer nichts zu verschenken. Und ausgefuchst, wie der Tourist nun mal ist, käme er sonst womöglich noch auf die Idee, sich die Barbourjacke hinterm Haus heimlich mit der Gießkanne zu benetzen.

Netter Werbegag alles in allem. Möglicherweise sogar ein Vorbild für heimische Fremdenverkehrsstrategen, um die Besucherströme in andere vergessene Regionen zu lenken: die Norddeutsche Tiefebene zum Beispiel.