Pascal Lamy hat es nicht leicht. Erst hegte Romano Prodi,der designierte Präsident der EU-Kommission, gegen die Nominierung des Franzosen Vorbehalte, jetzt will das Europäische Parlament dem Handelskommissar in spe einheizen. Bei der Anhörung am 2. September werden die Abgeordneten den früheren Kabinettschef von Jacques Delors über seine Vergangenheit befragen. Als Delors noch der Kommission vorsaß, bereitete Lamy nicht nur G-7-Treffen vor, er hob auch das System der externen Kommissionsberater mit aus der Taufe. Ebenjenes System aber machte eine Expertengruppe für die Hinterziehung von Geldern verantwortlich - und das führte letztlich zum Rücktritt der gesamten Kommission unter Jacques Santer. Unter den insgesamt 92 Fragen des Parlaments, die Lamy bereits vorliegen, befinden sich nun so hässliche wie: "Wie stehen Sie zum Einsatz von Beratern? Wie würden Sie den Rückgriff auf Berater durch ihre Dienststelle regeln?" Doch damit nicht genug. Die Abgeordneten rollen noch einmal die Fléchard-Affäre auf und wollen wissen, ob Lamy während seiner Amtszeit vom Betrug des französischen Handelsunternehmens beim Export irischer Butter nach Osteuropa im Jahre 1991 wusste. Die Parlamentarier erinnern dabei an die Kabinettssitzung vom 7. Januar 1994, in der die Geldbuße gegen Fléchard erheblich reduziert wurde, und wollen Klarheit, warum der Betrugsbekämpfungsstelle UCLAF das Protokoll dieser Sitzung vorenthalten wurde. Fragen über Fragen. Für Lamy dürften sie keine Schwierigkeit darstellen, gilt er doch als Durchbeißer. "Meine größte Schwäche", sagt er, "ist meine Brutalität."