Die Zeit: Herr Joop, wenn Sie heute eine Urlaubskarte von einer Bekannten aus dem Briefkasten ziehen, was denken Sie dann?

Wolfgang Joop: Früher machte man mit Postkarten die Nachbarn neidisch. Heute denke ich: Mensch, hast du blöde Gans nichts Besseres zu tun, als Urlaub zu machen?

Zeit: Hat Urlaub an Stellenwert verloren?

Joop: Freizeit ist kein Ziel mehr. Arbeit ist Ziel. Wer beschäftigt ist, sich Gedanken macht, wer am Computer oder am Zeichentisch sitzt, ist gefragter und interessanter als derjenige, der Urlaub macht. Vor allem Strände sind out. Die Nabelschau findet im Alltag statt. Es ist das geheimnisvolle Umdrehen der Wertigkeit. Der Bikini hat im Büro Einzug gehalten. Das Dekolleté der Neunziger ist der Bauchnabel.

Zeit: Trotzdem tummeln sich doch mehr Menschen in Bademode am Strand als im Büro. Man sieht Schnürsenkel als Badehose, man sieht Bermudas und Tangas, Bodys wie in den Zwanzigern oder die gute alte Dreiecksbadehose aus den Dreißigern. Bringen Badehosen zum Ausdruck, wie sich ihre Besitzer selbst sehen oder gesehen werden wollen?

Joop: Die Leute haben immer noch die Copacabana im Kopf. Sie haben Vorbilder. Und sie tragen, was diese Vorbilder tragen. Allerdings hat man oft das Gefühl, die Kopisten haben seit 20 Jahren nicht mehr in den Spiegel gesehen.

Zeit: Sie meinen, es fehlt an Selbstkritik?