Am vergangenen Freitag posierten drei Herren vor der schwedischen Presse zu einem gemeinsamen Händedruck. Das Trio besiegelte den Verkauf des Lkw-Herstellers Scania an Volvo und den gleichzeitigen Einstieg des Wallenbergschen Industrie-Imperiums, das zuvor die Mehrheit an Scania besaß, bei Volvo. Alle drei Männer strahlten, aber ihr Lächeln war von unterschiedlicher Authentizität. Scania-Chef Leif Östling hatte sich bis zuletzt gegen den Verkauf seines Unternehmens gewehrt und - wohl zu Recht - prognostiziert, dass bis zu 15 000 Arbeitsplätze verloren gehen werden. Volvo-Chef Leif Johannson hatte mehr Grund zu guter Laune, steht er doch nun an der Spitze des - nach DaimlerChrysler - zweitgrößten Lastwagenherstellers der Welt. Allerdings musste er für die Scania-Aktien einen Preis zahlen, der 29 Prozent über dem letzten Börsenkurs lag, und schon der galt als überhöht. Viele Finanzanalysten kamen zu dem Schluss, dass die Volvo-Leute nach den monatelangen Verhandlungen unter Zeitdruck geraten waren und schließlich beim Preis über den Tisch gezogen wurden. Die Volvo-Aktie sackte um acht Prozent ab.

Nur Marcus Wallenberg, der Mann in der Mitte, konnte rundum zufrieden in die Kameras lächeln. Er ist seit April Vorstandsvorsitzender der Wallenberg-Holding Investor AB, die die Mehrheit an Scania hält. Der Handel mit Volvo gilt als sein Gesellenstück. Das Wallenberg-Imperium wird mit 17 bis 23 Prozent der Stimmen größter Aktionär bei Volvo und bekommt dazu noch 2,2 Milliarden Mark in bar. Gleichzeitig symbolisiert das Geschäft ein Stück Generationenwechsel im Hause Wallenberg.

Noch muss sich Marcus Wallenberg, Jahrgang 1956 und Repräsentant der fünften Wallenberg-Generation, damit abfinden, dass ihm sein 73-jähriger Onkel Peter über die Schulter schaut. Familienoberhaupt Peter Wallenberg leitet nach wie vor die Wallenbergschen Familienstiftungen, welche wiederum die Investor AB kontrollieren. Und die Investor ihrerseits kontrolliert mittels verschachtelter Beteiligungen eine stattliche Reihe schwedischer Industrieunternehmen, von Electrolux (Haushaltsgeräte) über SKF (Kugellager) bis zu Atlas Copco (Drucklufttechnik).

Patriarch Peter Wallenberg zog sich 1997 aus dem täglichen Geschäft zurück. Er konnte sich allerdings nicht dazu entschließen, seinen Neffen Marcus oder seinen Sohn Jacob an der Spitze zu plazieren. "Die sind zu jung", erklärte er. Der eine war damals schließlich erst 41, der andere gar nur 40 Jahre alt. Stattdessen machte er Percy Barnevik, damals Generaldirektor des Energie- und Anlagen-Multis ABB, zum Investor-Aufsichtsratsvorsitzenden. Marcus und Jacob sollten erst einmal in diversen Aufsichtsräten weitere Erfahrungen sammeln. Neffe Marcus war dabei anscheinend der erfolgreichere.

Peter Wallenberg äußerte sich mehrfach ungehalten, als Barnevik und Marcus in den letzten Monaten daran gingen, mit Volvo ins Geschäft zu kommen. Seitdem strengte man sich bei der Investor an, den Familienpatriarchen gegen jeden Kontakt mit Journalisten abzuschirmen.