Einer der Standardvorwürfe, die der Sprache der Presse und auch der der ZEIT gemacht werden, lautet, sie sei flach. Was wohl heißt, dass sie sich auf die gängigeren Wörter und Wendungen beschränkt und den Reichtum des Wortschatzes ungenutzt lässt. Es ist einer jener Vorwürfe, zu denen man gewöhnlich gedankenvoll nickt. Man kann zur Abwechslung aber auch zur Empirie schreiten, nämlich zur Wörterstatistik, wie sie sich aus der ZEIT-CD der Jahrgänge 1995 bis 1998 ergibt. In diesen vier Jahren wurden in der ZEIT 645 228 verschiedene Wörter benutzt, genauer: Wortformen. Und da durchschnittlich 1,5 Wortformen auf eine Grundform kamen, so wie sie im Wörterbuch steht, auf ein Lexem also, entsprach das 430 000 Wörtern. 58 Prozent davon kamen ein einziges Mal vor. Ist das viel, ist das wenig? Shakespeares Wortschatz zählte etwa 25 000 Lexeme, Goethes um die 80 000, selbst Joyce mit seinen zahllosen einmaligen Neuprägungen kam nicht über 100 000. 430 000 Wörter: Selbst wenn man die vielen Namen abzieht, sind das mehr, als in den größten Wörterbüchern der deutschen Gemeinsprache stehen. Flache Sprache? Auf einen knappen Wortschatz kann sich solch ein Urteil nicht berufen.