Josef Antwerpes, der Kölner Regierungspräsident, ist ein streitbarer Zeitgenosse, der dem Volk aufs Maul schaut und wie ein Rohrspatz schimpft, wenn ihm etwas nicht passt. So auch jetzt wieder. Bei Fahrten durch seinen Regierungsbezirk fielen dem rheinischen Regenten neue Pfosten am Straßenrand auf. Der Landschaftsverband Rheinland hatte sie an Bundes- und Landstraßen sowie an Autobahnanschlüssen angebracht und mit einem Hütchen, dem Logo des Verbandes und einem Ortshinweis ausstaffiert. Unfälle und Pannen könnten so besser lokalisiert werden, glaubt man im Verband, der die Stationszeichen auf Wunsch von Polizei und Automobilclubs aufstellte. Antwerpes hingegen bestreitet, dass irgendjemand dieses Anliegen geäußert hätte. Die "grünen Riesen" seien überflüssig wie ein Kropf, "ein richtiges Panoptikum". Damit hat Antwerpes sicher nicht Unrecht, denn nun stehen zwischen den schwarz-weißen Straßenbegrenzungspfosten alle 100 Meter die "grünen Riesen" - für ingesamt 1,4 Millionen Mark. Da werde Geld zum Fenster hinausgeworfen, derweil man an Fahrradwegen spare, ärgert sich der Kölner. Dass Liegenbleiber oder etwa der ADAC die Pfosten zur Positionsbestimmung benötigten, hält Antwerpes für abwegig, weil der ADAC-Hilfsdienst mit dem Global-Positionssystem jede Panne leicht orten könne. In zehn Jahren fahre sowieso jeder Autofahrer mit Ortung per Satellit durch das Land.

Der Landschaftsverband hingegen bleibt bei seiner Pannenortung und argumentiert, in anderen Bundesländern gebe es die Hütchen längst. Außerdem habe man die Rückendeckung des nordrhein-westfälischen Wirtschafts- und Verkehrsministers Peer Steinbrück. Und der lässt sich von Antwerpes eh nichts sagen, zumal der Regierungspräsident kurz vor dem Ruhestand steht. Da werden viele drei Kreuze machen, wenn der endlich weg ist. Eigentlich schade, denn dem Land wird eine farbige Persönlichkeit fehlen, die ausnahmsweise nicht nach oben buckelt. Wo fährt ein Regierungspräsident schon nächtens bei Streifen mit, um Alkoholsünder zu stellen? Und wer wagt sonst, Journalisten ungeniert "Arschlöcher" zu nennen, die so groß seien, dass man mit einem Lkw durchfahren könne. Höchstamtlich gerügt, entschuldigte Antwerpes sich dafür. Fein war das ja auch nicht. Zu befürchten ist jedoch, dass ohne Antwerpes der Regierungsbezirk wieder grau wird. Dabei gibt es schon viel zu viel graue Mäuse.

Sparsam Die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung wird ihre Beschlüsse den Ländern künftig nicht mehr im teuren Einschreibverfahren übermitteln. Generalsekretär Jürgen Schlegel will die Anregung von Klaus Gärtner, Staatssekretär in der Kieler Staatskanzlei, aufgreifen und die Einschreiben durch Fax oder E-Mail ersetzen. Gärtner hatte sich über das bisher übliche Verfahren geärgert (ZEIT Nr. 30/99). Schlegel entgegnete, für ihn seien die Einschreiben "kein Dogma, zumal ich jede Möglichkeit weiterer Kostenreduzierung gerne nutze". Gärtner reagiert erfreut: "... und sie bewegt sich doch." Und das sogar schnell!