Berlin

Inter arma silent leges - im Waffenlärm schweigen die Gesetze. Dieser Satz wird Cicero zugeschrieben. Der Wahlspruch des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz lautet: inter arma caritas - Barmherzigkeit zwischen den Waffen. Er symbolisiert den Wunsch der Menschen, den von Cicero beschriebenen Zustand zu überwinden. Zum Schutz von Menschen und Kulturgut ist daher seit Henry Dunant ein nahezu perfektes völkerrechtliches Netzwerk geschaffen worden. Der Satz per humanitatem ad pacem - durch Menschlichkeit zum Frieden, weiterer Wahlspruch der Gesellschaften vom Roten Kreuz und Roten Halbmond - beinhaltet die Sehnsucht, dass durch barmherziges, menschliches Denken und Verhalten Frieden entstehen möge.

Angesichts der Massenzerstörungswaffen entstand sogar die Idealvorstellung von einer generellen Friedenspflicht, der obligatio ad pacem.

Entgegen immer wieder aufkeimenden Hoffnungen - insbesondere nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs - gelang es jedoch nicht, Kriege zu verhindern. Auch die Vorschriften des humanitären Völkerrechts werden am Ende des 20. Jahrhunderts zunehmend missachtet.

Vor 50 Jahren setzten die Bevollmächtigten der ersten Signatarstaaten ihre Unterschrift unter die geltenden vier Genfer Konventionen vom 12. August 1949.

Die ersten beiden verbesserten den Schutz verwundeter und schiffbrüchiger Soldaten. Die dritte Konvention zum Schutz der Kriegsgefangenen war 1949 gerade für die Deutschen in sowjetischer Kriegsgefangenschaft von höchster Bedeutung. Die vierte Konvention zum Schutz der Zivilbevölkerung wurde 1977 durch zwei Zusatzprotokolle ergänzt und hat zuletzt im Kosovokonflikt - im nach verlässlicher Zählung 211. bewaffneten Konflikt seit 1945 - grausame Missachtung erfahren.

Die Missachtung der Schutzvorschriften der Genfer Konventionen spricht indessen nicht gegen deren Wert. In allen Konflikten, wie auch in den Weltkriegen, wäre das Leid ohne dieses Kriegsvölkerrecht unendlich größer gewesen. Es kommt auf die Kenntnis und die Durchsetzung der Schutzvorschriften an. Die Durchsetzungsfrage hat vor der Weltöffentlichkeit durch das Haager Kriegsverbrechertribunal erstmalig seit Jahrzehnten einen spürbaren Fortschritt erfahren.