Auf der Hardthöhe wird (gab's das nicht schon mal?) laut über die "Verstärkung und Straffung der militärischen Führungsspitze der Streitkräfte" nachgedacht. Die FDP übersetzt für den dankbaren Zivilisten: Ein Generalstab muss her. Schlagen da wieder die Geister der Herren Gneisenau, Ludendorff & Co. mit ihren Säbeln gegen die Topfpalmen? Oder steht bloß ein Umdenken im Zeichen des Sparzwangs an?

Deutschlands oberster Militär ist ein Mann ohne Macht, das ist in Europa und in der Nato tatsächlich ein Unikum. Der Generalinspekteur verantwortet die Bundeswehrplanung und berät seinen gewählten Dienstherrn. Oberste militärische Befehlsgeber aber sind die Inspekteure der drei Teilstreitkräfte

bei Kriseneinsätzen koordiniert das Führungszentrum in Koblenz. Das Resultat: Wasserköpfe, Parallelstrukturen, legendäre Rangeleien und Blockaden. Da wäre es geradezu vorbildlich, wenn der Sparstift an der Spitze der Behörde ansetzte - etwa durch Streichung der Inspekteure zugunsten eines einheitlichen Führungsstabes. Noch besser, wenn es so gelänge, die absurde Aufspaltung der Führung zwischen Berlin und Bonn zu vermeiden.

Ein Generalstab im Sinne der säbelrasselnden Geister deutscher Tradition ist das noch lange nicht - solange das Oberkommando über die Streitkräfte da bleibt, wo es hingehört: zu Friedenszeiten beim Verteidigungsminister, im Kriegsfall beim Bundeskanzler und im Bündnisfall bei der Nato. Nichts anderes gestattet das Primat der Politik in einem demokratischen Rechtsstaat.