Willkommen beim großen Hauen und Stechen in der auswärtigen Kulturpolitik. Gestritten wird über das Gleiche wie überall: Wer spart wo wie viel? Und wem ging es schon immer zu gut? Soeben hat es den ersten Volltreffer gegeben: Der Bundesrechnungshof hat sich Inter Nationes (IN) vorgeknöpft, die Mittlerorganisation für die Darstellung Deutschlands in Filmen, Büchern, Broschüren. Ergebnis: Hier werden Dinge produziert, die niemand braucht oder andere besser und billiger machen könnten. Das IN-Rechnungswesen ist alles, nur nicht betriebswirtschaftlich aussagekräftig. Insgesamt könnten 64 von 147 Stellen und jährlich über 6 Millionen Mark eingespart werden. Dazu müssten sich Inter Nationes und die Goethe-Institute besser miteinander abstimmen - oder sogar fusionieren. In diesen Tagen finden erste Gespräche zwischen den Leitern statt.

Vielleicht gelingt ja jetzt, unter dem Druck der Pfennigfuchser, die Neukonzeption der auswärtigen Kulturpolitik. Seit Jahren ist sie hochheilig versprochen worden. Vielleicht bringt nun jeder aus dem knappen Dutzend der Mittlerorganisationen die Kraft auf, sich selbst kritisch zu fragen: Müssen wirklich drei von uns gleichzeitig an einem Multimedia-Sprachkurs 2000 werkeln? Wie viele Humboldt-Stipendiaten müssen sein, und aus welchem Weltwinkel sollen sie kommen (siehe Seite 34)? Schließlich: Was soll eigentlich ein Goethe-Institut leisten? Wo braucht man unbedingt eins? Und wo vielleicht nicht mehr?

Intern und zähneknirschend hat man bei Goethe diese Frage schon beantwortet. 25 Institute sollen ganz oder teilweise geschlossen werden (siehe nebenstehenden Bericht). Ein Einschnitt wie noch nie - und der Beginn einer echten Strukturreform. Denn diesmal soll es nicht die Filialen an den schwächsten und unbequemsten Standorten treffen, sondern die bekannten und beliebten. Osteuropa und die sogenannte Dritte Welt werden in der neuen Konzeption nicht nur verschont, sondern de facto aufgewertet. Recht so: Wenn es denn sein muss, kann man auf ein repräsentatives Institut in Paris eher verzichten als auf einen heroischen Außenposten in Dakar. Was die Goethe-Institute in den Metropolen der westlichen Welt inszenieren, geht längst unter im Rauschen der Events. Und Deutsch lernen kann man dort auch bei Berlitz. Der rege Austausch zwischen den Medien, Universitäten und Literaturhäusern braucht keine staatliche Moderation. Wo ein üppiges Kongress- und Festivalwesen Nationen vernetzt, kann sich auswärtige Kulturpolitik getrost zurückziehen und neue Aufgaben übernehmen.